Freilassinger Anzeiger vom 7.September 2005
Salzburger Kinder erforschen das Ainringer Moos
Bei der Führung hörten sie Geschichten von der Wolfsfrau und dem Hohmoosweiberl

Ainring (schu) Eine kleine Gruppe von Gästen aus dem Salzburger Nachbarland konnte das Ehepaar Behringer aus Hammerau zu einer besonderen Moorführung begrüssen. Die Eltern und Kinder erfuhren, wie das Ainringer Moos entstanden ist, wie das mit dem Torfabbau war und wie es nun wieder in einen möglichst naturnahen Zustand zurück-gebracht werden soll. Die Kinder sahen Graureiher, Zwerg- und Haubentaucher, Kormorane und weitere Wasservögel und fingen einen kleinen Wasserfrosch, dem sie jedoch bald wieder die Freiheit gaben.

Die Wiedergeburt des Lebensraumes Moor ist für den Bund Naturschutz ein Schwerpunktthema und für Rosi und Michael Behringer ein besonderes Anliegen, das ihnen sehr am Herzen liegt. Deshalb zeigen sie Gästen aus nah und fern dieses Kleinod im Berchtesgadener Land, diesmal für eine Gruppe Eltern und Kinder aus dem Salzburger Land, (die auf Anregung von Hermann Schubotz auf diese Wanderung in der nächsten Umgebung aufmerksam gemacht worden waren, wissen wollten, was es in dem ehemals zum Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Gebiet, dem Rupertiwinkel zu sehen gab).

Wie Moore entstehen

Rosi Behringer erläuterte anhand der Geländeformen die Entstehung des Ainringer Mooses, das nach dem Ende der Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren seinen Anfang nahm.

(Moore entstehen in kalten bis gemäßigten Klimazonen auch dann nur, wenn mehr Wasser durch Regen oder kleine Bäche in das Moor hineinfliesst als es wieder verdunstet oder abfliesst. Unter bestimmten Umständen zersetzen sich abgestorbene Pflanzenteile aus Schilf, Riedgras oder Wasserpflanzen nicht zu Humus, sondern werden unter Sauerstoffabschluß durch ganzjährige Überstauung mit Wasser zu Torf).

Das Ainringer Moos ist ein so genanntes Niedermoor, das sich zu einem Hochmoor entwickelt hätte, wäre man in den Notzeiten nach dem Ersten Weltkrieg und besonders nach dem zweiten Weltkrieg nicht daran gegangen, es zur Gewinnung von Feuerungs-material, Streutorf und später Blumenerde radikal abzubauen.

Beim Weiterwandern kam die Gruppe zum Sonnenwies-graben, der teilweise durch Rohre geleitet das Wasser aus den Moorwiesen abführt. Michael Behringer wies auf das artenfremde wuchernde Indische Springkraut hin, das sich schnell vermehre und die heimischen Pflanzen verdränge. (Wenn man nicht ernsthaft dagegen angehe, würde es bald alle freien Flächen überwuchern und sogar ins Hochgebirge eindringen.)

Waffen aus der Bronzezeit

Er ließ die Kinder einen Blick in die Vergangenheit werfen, indem er ihnen Bilder von Jagdwaffen aus der Bronzezeit zeigte, die die historischen Jäger wohl im Sumpf verloren haben mussten. Es gab Fotos einer Pfeilspitze mit Widerhaken, einige Griffdornmesser, Lanzenspitzen und Gewandnadeln zu sehen.


Eine Gruppe Salzburger Eltern und Kinder erfährt von Rosi und Michael Behringer, wie das Ainringer Moos nach der letzten Eiszeit entstanden ist und mit welchen Waffen in der Bronzezeit die Ureinwohner Ainrings sich ihren Nahrungsbedarf im Moor erkämpften. Foto: Hermann Schubotz
Moos als Brennstoff-Lieferant

(Die planmässige wirtschaftliche Nutzung des Ainringer Mooses begann um 1900 mit der Gewinnung von Brenntorf für die Saline Bad Reichenhall und später für das Eisenwerk in Hammerau. Wegen der allgemeinen Mangel-situation nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, es gab keine Arbeit, kaum etwas zu Essen und kein Heizmaterial, wurde das Moor nun intensiver ausgebeutet, es wurde ein Torfwerk mit bis zu 80 Arbeitsplätzen gegründet. Das Torfstechen war eine harte Knochenarbeit. Die bis zu 8 kg wiegenden genannten Soden (Nasstorf) mussten mit dem Spaten herausgeschnitten und zum Trocknen aufgestapelt werden. In den 60 Jahren begann man mit dem so genannten Frästorf Abbau, wobei mit grossen Maschinen die Torfschicht systematisch abgefräst wurde. War bis dahin das Ainringer Moos noch artenreicher Lebensraum für eine ganz spezifische Tier- und Pflanzenwelt, so begann damit die endgültige Zerstörung der Niedermoorlandschaft.)

(Auf Basis des 1987 im Naturschutzgesetz verankerten Schutzes von Feuchtgebieten wurde die Renaturierung des Ainringer Mooses beschlossen. Seit Anfang der 90-er Jahre wurden die bereits abgefrästen Flächen wieder stufenweise eingestaut, bzw. mit Wasser überflutet, mit dem Ergebnis, dass sich ein überaus artenreicher Lebensraum entwickelte, der vor allem für viele vom Aussterben bedrohte Vogelarten, Amphibien, Schmetterlinge und Insekten eine Chance zum Überleben bietet. Ein grosser Teil der "wieder angesiedelten" und neuen Bewohner gelten nach der „Roten Liste als gefährdet.)

Beeindruckt zeigten sich besonders die Erwachsenen Teilnehmer von einer Kahlstelle im Wald, deren Fichten fast alle dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Nun hat sich dort durch natürliche Verjüngung ein Mischwald entwickelt, so wie es einem typischen Moorwald aus vorwiegend Birke, Kiefer und Schwarzerle entspricht.

Märchen von der Wolfsfrau

Dort lauschten die Kinder einem alten Indianermärchen, in dem Rosi Behringer über eine Wolfsfrau erzählte, die in den Wäldern die Knochen verstorbener Wölfe sammelte, sie zu einem Skelett zusammenlegte und durch einen intensiven Gesang dem Gerippe neues Leben einhauchte. Der nun lebendig gewordene Wolf sprang auf und verschwand im Wald. Der animierende und lebendig machende Gesang hatte auch der Wolfsfrau gut getan, sie verjüngte sich zu einer jungen hübschen Frau, die daran ging, weitere Wolfsknochen im Wald zu sammeln. Nur in den letzten Jahrhunderten nach der Ausrottung des Wolfes in der Alpenregion hat sie kein gesamtes Skelett mehr zusammen bekommen, deshalb muss sie weiterhin als uralte Frau durch die Wälder irren.

Als die Salzburger Gruppe am ersten Aussichtspunkt ankamen, waren die vernässten Flächen klar zu erkennen, zwei Jung-Graureiher in sicherer Fluchtdistanz sonnten sich in der Nachmittagssonne und schauten nach Beute aus. (Auf der abgefrästen, aber nicht überfluteten höher gelegenen Fläche waren bereits einige Baumsprösslinge zu erkennen. So renaturiert sich das Moor auf natürliche Weise, wenn man es in Ruhe lässt.)

Vermehrt finden Wasser- und Zugvögel im Ainringer Moos eine sichere Dauerwohnstätte oder einen nahrungs-reichen Rastplatz für den Flug in die südlichen Gefilde. Michael Behringer erzählte den Kindern, dass die Vögel im Wasser und im Schilf Kleinlebewesen wie Libellenlarven, Würmer, Schnecken, Krebstiere und kleine Fische und Frösche als Nahrungsquelle vorfinden würden. (Einen dieser Jung-Frösche konnten die Buben in einer Wasserlache entdecken und fingen ihn ein. Als man ihn in der hohlen Hand näher betrachten wollte, machte er einen Satz und sprang aus luftiger Höhe wieder in das rettende Gras.)

Am Beobachtungsplatz wurde für eine Brotzeit Rast gemacht, und die Kinder konnten neben dem Jausen weitere Wasser Vögel mit dem Fernglas beobachten. (Weiter ging es durch enges Gelände, dicht am Wasser vorbei an Fuchshöhlen und Kartoffelbovisten, sich von Baum zu Baum hangelnd, bis wieder freies Gelände mit Maisfeldern und verregneten Weizenfeldern erreicht wurde).

Sage des Homoosweiberls

Hier erzählte Rosi Behringer den Kindern und Erwachsenen die Geschichte des Hohmoosweiberls, die sich aber zukünftige Besucher wegen des spannenden Ausgangs im Originalton Behringer selber anhören sollten.

Zum Schluss bedankten sich die Salzburger Gruppe bei den beiden kompetenten Führern und den vielen Informationen über das nahegelegende Nachbarland.

Kraftwerk mit Fischtreppe

Auf der Rückfahrt nach Salzburg zeigte Hermann Schubotz den Kindern noch das kürzlich fertig gestellte Kraftwerk Rott, Zwischen Freilassing und Salzburg, (das mit seiner Stromerzeugung aus Wasserkraft knapp den Strombedarf der Freilassinger Haushalte abdecken würde).

Besonders angetan hatte es den Kindern, eine moderne Fischtreppe zu bewundern, die den Fischen knappe zehn Meter Höhenunterschied um das Kraftwerk überwinden helfe. Ob es für die Fische auch eine Schule für das Schwimmen in der Fischtreppe gebe, fragte ein Bub, der nach den Ferien in die zweite Klasse kommt, denn er müsse auch alle Fertigkeiten in einer Schule lernen, die er noch nicht beherrsche. -schu-


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