| FREILASSING (st)
- Es handelt sich zwar im ein österreichisches Bauwerk, aber
die Postadresse ist bayerisch. „Kraftwerk Nr. 1, D-83395 Freilassing"
lautet sie. Der wesentlichste Teil des neuen Saalachkraftwerks Rott,
das am Freitag offiziell eingeweiht wurde (wir berichteten), liegt
nämlich auf Freilassinger Gebiet. Das Krafthaus, in dem die
Energie gewonnen wird, befindet sich an der linken Uferseite und
damit in Bayern.
Eigentlich hätte es auf österreichischer Seite entstehen
sollen. Im Zuge der Planung teilte sich aber rasch heraus, dass
die Wasserkraft nur optimal ausgenutzt werden kann, wenn das Krafthaus
an der linken Uferseite erbaut wird. So ist das Kraftwerk auch lank
EU ein wirklich grenzüberschreitendes Projekt geworden.
Von der Grundsteinlegung am 20.November 2002 bis zur Inbetriebnahme
des neuen Craftwerks vergingen nur 24 Monate. Die rekordverdächtige
Bauzeit erfüllte Projektleier Dipl.-Ing. Josef Rückl bei
der Eröffnung sichtlich mit Stolz. Nicht zuletzt ist dies einer
Voruntersuchung an der Technischen Universität Graz zu verdanken.
Dort wurde ein Modell im Maßstab 1:40 gebaut, mit dem technische
Details simuliert wurden. So konnte der Kraftwerksbau optimiert
werden.
Der Bauablauf gliederte sich in zwei Abschnitte. Im ersten Jahr
entstand die drei-feldrige Wehranlage. Dann wurde die Saalach über
diese Anlage abgeleitet, so dass der weite Bauabschnitt, das Krafthaus,
in Angriff genommen werden konnte. Ab September 2004 wurde das alte
Kraftwerk vom Netz genommen und abgetragen. |

In rekordverdächtiger
Bauzeit von nur 24 Monaten entstand das hochmoderne neue Kraftwerk,.
im Vordergrund ein Teil des Fischwegs. Originalfoto: Stronk, Farb-Foto:
Schubotz |
| Erstmals erzeugte die Salzburg AG Strom
in der neuen Anlage im Dezember 2004. Seit Anfang diesen Jahres
läuft das Kraftwerk mit voller Leistung. In den letzten Monaten
wurden die Gestaltungs-rbeiten und Rekultivierungen sowie der Fischweg
fertig gestellt.
Rund zehn Meter stürzt das Wasser der Saalach herunter und
treibt zwei Rohrturbinen an, die eine Leistung von fünf Megawatt
bringen. Damit handelt es sich um eine Öko-Anlage, die staatlich
gefördert wird. Der erzeugte Strom deckt den Jahresbedarf von
rund 8.500 Haushalten.
Der Neubau des Kraftwerks sichert aber nicht nur die Energieversorgung
in der Region. Ebenso wurde die ökologische Funktions-fähigkeit
der Saalach verbessert und der Hochwasserschutz verstärkt.
Ein so genanntes Tosbecken wandelt die frei werdende Energie des
Wassers bei der Überwindung der Wehrschwelle um. So ist ein
kontrollierter Ablauf der Wassermassen insbesondere bei Hochwasser
gewährleistet. |
Ein wichtiges Detailprojekt des Kraftwerksbaus
war die Errichtung eines modernen Fischweges, mit welchem die Flussbewohner
die Anlage fluss-aufwärts umgehen können. Immerhin sind
in der Saalach noch 34 Fischarten beheimatet, die zum Teil zum Laichen
in höher gelegene Flussbereiche wandern.
Das alte Kraftwerk stellte dabei eine unüberwindliche Barriere
dar. Der jetzige Fischweg ist eine ungewöhnliche Kombination
eines technischen mit einem naturnahen Gerinne. Permanent fließen
300 Liter Wasser pro Sekunde durch, so dass die Fische ungehindert
wandern können.
Die Salzburg AG betreibt im Land Salzburg insgesamt 24 Wasserkraftwerke.
Für das neue Saalachkraftwerk investierte der Energieversorger
20 Millionen Euro. In nächster Zukunft sollen weitere 100 Millionen
Euro in die Erneuerung und den Ausbau der Energie-gewinnung aus
Wasserkraft investiert werden. Damit kommt das Unternehmen dem von
Vorstand Arno Gasteiger formulierten Ziel „Autarkie für
die Energiewirtschaft" ein gutes Stück näher. Österreich
musste im vergangenen Jahr fünf Milliarden Kilowattstunden
Strom importieren. |