Freilassinger Anzeiger vom 21.Juni 2005
Kraftwerk liefert Strom für 8.500 Haushalte
Neues Saalachwehr der Salzburg AG hat als Postadresse Freilassing

FREILASSING (st) - Es handelt sich zwar im ein österreichisches Bauwerk, aber die Postadresse ist bayerisch. „Kraftwerk Nr. 1, D-83395 Freilassing" lautet sie. Der wesentlichste Teil des neuen Saalachkraftwerks Rott, das am Freitag offiziell eingeweiht wurde (wir berichteten), liegt nämlich auf Freilassinger Gebiet. Das Krafthaus, in dem die Energie gewonnen wird, befindet sich an der linken Uferseite und damit in Bayern.

Eigentlich hätte es auf österreichischer Seite entstehen sollen. Im Zuge der Planung teilte sich aber rasch heraus, dass die Wasserkraft nur optimal ausgenutzt werden kann, wenn das Krafthaus an der linken Uferseite erbaut wird. So ist das Kraftwerk auch lank EU ein wirklich grenzüberschreitendes Projekt geworden.

Von der Grundsteinlegung am 20.November 2002 bis zur Inbetriebnahme des neuen Craftwerks vergingen nur 24 Monate. Die rekordverdächtige Bauzeit erfüllte Projektleier Dipl.-Ing. Josef Rückl bei der Eröffnung sichtlich mit Stolz. Nicht zuletzt ist dies einer Voruntersuchung an der Technischen Universität Graz zu verdanken. Dort wurde ein Modell im Maßstab 1:40 gebaut, mit dem technische Details simuliert wurden. So konnte der Kraftwerksbau optimiert werden.

Der Bauablauf gliederte sich in zwei Abschnitte. Im ersten Jahr entstand die drei-feldrige Wehranlage. Dann wurde die Saalach über diese Anlage abgeleitet, so dass der weite Bauabschnitt, das Krafthaus, in Angriff genommen werden konnte. Ab September 2004 wurde das alte Kraftwerk vom Netz genommen und abgetragen.


In rekordverdächtiger Bauzeit von nur 24 Monaten entstand das hochmoderne neue Kraftwerk,. im Vordergrund ein Teil des Fischwegs. Originalfoto: Stronk, Farb-Foto: Schubotz

Erstmals erzeugte die Salzburg AG Strom in der neuen Anlage im Dezember 2004. Seit Anfang diesen Jahres läuft das Kraftwerk mit voller Leistung. In den letzten Monaten wurden die Gestaltungs-rbeiten und Rekultivierungen sowie der Fischweg fertig gestellt.

Rund zehn Meter stürzt das Wasser der Saalach herunter und treibt zwei Rohrturbinen an, die eine Leistung von fünf Megawatt bringen. Damit handelt es sich um eine Öko-Anlage, die staatlich gefördert wird. Der erzeugte Strom deckt den Jahresbedarf von rund 8.500 Haushalten.

Der Neubau des Kraftwerks sichert aber nicht nur die Energieversorgung in der Region. Ebenso wurde die ökologische Funktions-fähigkeit der Saalach verbessert und der Hochwasserschutz verstärkt.

Ein so genanntes Tosbecken wandelt die frei werdende Energie des Wassers bei der Überwindung der Wehrschwelle um. So ist ein kontrollierter Ablauf der Wassermassen insbesondere bei Hochwasser gewährleistet.

Ein wichtiges Detailprojekt des Kraftwerksbaus war die Errichtung eines modernen Fischweges, mit welchem die Flussbewohner die Anlage fluss-aufwärts umgehen können. Immerhin sind in der Saalach noch 34 Fischarten beheimatet, die zum Teil zum Laichen in höher gelegene Flussbereiche wandern.

Das alte Kraftwerk stellte dabei eine unüberwindliche Barriere dar. Der jetzige Fischweg ist eine ungewöhnliche Kombination eines technischen mit einem naturnahen Gerinne. Permanent fließen 300 Liter Wasser pro Sekunde durch, so dass die Fische ungehindert wandern können.

Die Salzburg AG betreibt im Land Salzburg insgesamt 24 Wasserkraftwerke. Für das neue Saalachkraftwerk investierte der Energieversorger 20 Millionen Euro. In nächster Zukunft sollen weitere 100 Millionen Euro in die Erneuerung und den Ausbau der Energie-gewinnung aus Wasserkraft investiert werden. Damit kommt das Unternehmen dem von Vorstand Arno Gasteiger formulierten Ziel „Autarkie für die Energiewirtschaft" ein gutes Stück näher. Österreich musste im vergangenen Jahr fünf Milliarden Kilowattstunden Strom importieren.


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