Freilassinger Anzeiger vom 18.Juni 2005
Neues Kraftwerk schlägt eine weitere Brücke
Hunderte Besucher werfen bei der Eröffnung einen Blick hinter die Kulissen

Mit dem symbolischen Akt des Band-Durchschneidens auf dem Kraftwerk genau in Höhe der Flussmitte wurde das neue Saalachkraftwerk Rott offiziell eröffnet. Unsere Aufnahme zeigt die beiden Direktoren der Salzburg AG Arno Gasteiger (links) und August Hirschbichler (rechts) mit Freilassings 2. Bürgermeister Gottfried Schacherbauer, Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, Finanz-Staatssekretär Alfred Finz und Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. OthmarRaus (von links). Fotos: Stronk (Die schwarz-weissen haben wir durch unsere ähnlich-wirkenden Farb-fotos ersetzt) H.Schubotz


FREILASSING (st) - Das neue Saalachkraftwerk in Rott liefert nicht nur saubere Energie aus Wasserkraft, sondern schlägt im wahrsten Sinn des Wortes eine weitere Brücke zwischen Freilassing und Salzburg. Auf der Dammkrone können nämlich künftig auch Radfahrer und Fußgänger den Fluss überqueren. Was das Bauwerk sonst noch bietet und leistet, davon überzeugten sich Hunderte von Besuchern auch aus dem bayerischen Grenzraum bei einem Tag der offenen Tür anlässlich der Einweihung am gestrigen Freitag. Während das sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch vorbildliche Kraftwerk der Salzburg AG bereits seit Januar auf vollen Touren läuft, fand nun die offizielle Eröffnung statt mit Ehrengästen von diesseits und jenseits der Grenze. Für ein außergewöhnliches Klangerlebnis sorgte der Komponist Werner Raditschnig mit der Welturaufführung seines Werks „Graduation". Er verdichtete die typischen Flussgeräusche in Tonsequenzen und hüllte die Besucher in eine Klangwolke.

„Uns verbinden viele gemeinsame Projekte", knüpfte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden an die Worte Schacherbauers an und nannte als Beispiel die Eilbus-Linie. Die nächste Brücke, an der man arbeite, sei ein Radlsteg am Saalachspitz, erklärte er und erhielt dafür spontan Applaus seitens der Zuhörer. Schaden meinte, die Nutzung der Wasser-kraft sei in den letzten Jahren etwas in Verruf gekommen. Dabei handle es sich um die sauberste Energie, die es gibt.

Die ökumenische Segnung des Kraftwerks nahmen dann die evangelische Pfarrerin Dorothee Stadler aus Freilassing und Pater Franz Pfab aus Liefering vor. Bevor dann die Salzburg AG-Direktoren Arno Gasteiger und August Hirschbichler gemeinsam mit den Bürgermeistern Schaden und Schacherbauer, Landes-hauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Raus und Österreichs Finanz-Staatssekretär Alfred Finz auf der Wehranlage das symbolische Eröffnungsband durchschnitten, wartete auf die Besucher noch ein musikalischer Leckerbissen.


Für ein außergewöhnliches Klangerlebnis sorgten der Komponist Werner Raditschnig und der Posaunist Berti Müller mit einer Welturaufführung.


Eine Klangwolke aus acht rundum postierten Lautsprechern hüllte die Besucher ein, überspülte sie gleichsam mit der Natur nach-empfundenen Tönen, riss sie mit im verheerenden Hochwasser, um sie im nächsten Moment wieder sanft dümpelnd dahin treiben zu lassen. Der Posaunist Berti Müller entlockte seinem Instrument dazu ein ungeahntes Klangspektrum zwischen dumpfem Wummern und jaulendem Getöse. Wenn es auch nicht jedermanns Sache war, so schuf der Kärtner Komponist Werner Raditschnig gemeinsam mit dem Wiener Sound Designer Wolfgang Musil ein Werk großer Ausdruckskraft, das den Flusslauf in seinen verschiedenen Fassetten gleichsam körperlich macht.

Den ganzen Tag über nutzten die Besucher die Möglichkeit, die Wehranlage und das Krafthaus bei Führungen zu besichtigen. Die Salzburg AG informierte über ihre einzelnen Sparten. Sie besitzt auch eine eigene Musik-kapelle, die beim Festzelt zur Unterhaltung aufspielte.

„Mit einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro wurden das Wasserkraftwerk und die Wehranlage von Grund auf neu errichtet", informierte Salzburg AG-Direktor Arno Gasteiger bei der Begrüßung der Gäste.


Die ökumenische Weihe des neuen Bauwerks nahmen die evangelische Pfarrerin Dorothee Stadler aus Freilassing und Pater Franz Pfab aus Liefering vor.


Das Unternehmen investiere damit einmal mehr in saubere Wasserkraft. In den nächsten Jahren seien weitere Kraftwerke geplant, zum Beispiel auf der Salzach bei Hallein. Damit stärke das Unternehmen auch die regionale Wirtschaft.

Bauleiter Dipl.-Ing. Josef Rückl verwies nicht ohne Stolz auf die relativ kurze Bauzeit. Im November 2002 wurde mit dem Neubau begonnen. Teilweise seien bis zu 60 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt gewesen. 24.000 Kubikmeter Beton sind verbaut worden und 1.650 Tonnen Stahl. 15.000 Quadratmeter Schalungen wurden benötigt, das entspricht der Fläche von drei Fußballfeldern.

Die beiden Turbinen liefern jährlich etwa 28 Millionen Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Bedarf von rund 8.500 Haushalten. „Wir sind stolz auf dieses Werk, das saubere Energie erzeugt", stellte Rückl fest.

Das „Krafthaus" der Anlage, in der die Flussenergie in Strom umgewandelt wird, befindet sich auf Freilassinger Seite. 2. Bürger-meister Gottfried Schacherbauer überbrachte die Glückwünsche der Stadt. „Wir freuen uns, dass wir einen Beitrag zu dem Werk leisten konnten", sagte er und erinnerte daran, dass die Stadt während der Bauzeit auch Grundstücke für Lagerflächen zur Verfügung stellte. Dass ein Radweg über das Kraftwerk führt, wertete er als weiteres Beispiel für das Zusammenwachsen der Region, die mit dem Bauwerk eine neue Attraktion gewonnen habe.


____