| GROSSGMAIN/TRAUNSTEIN (VeS) "Die Erde
ist unsere wahre Mutter, und sie liebt uns bedingungslos" -
mit dieser Botschaft kam der Dene-Lakota-Indianer Tim Sikyea für
einige Tage nach Traunstein und Großgmain und stieß
mit seinen Botschaften auf große Resonanz. Allein sein Vortrag
in Traunstein zog weit über 200 Menschen in den Rathaussaal.
Ähnlich war es tags drauf in der Schule in Großgmain.
Viele Menschen suchten auch das persönliche Gespräch,
etwa bei der interreligiösen Feier im Marien-heilgarten oder
an zwei Seminar-tagen, als er Interessierte lehrte, einen Traumfänger
zu bauen.
Sein Besuch war Teil seiner Lebensmission. Er versteht sich als
Bote traditioneller indianischer Kultur. Bereits mit 14 Jahren verließ
er sein Dorf im Nordwesten Kanadas, um durch die Welt zu reisen
und das Wissen seier Ahnen weiterzutragen.
Wo immer Tim Sikyea sich aufhält, versucht er, die Menschen
mit der indianischen Spiritualität vertraut zu machen. So auch
in Deutschland, in Nürnberg betreibt er ein Zentrum für
indianische Lebensart, und seit vielen Jahren lädt er in Wittenberg
zur Zeremonie des „Erdtanzes", einem mehrtägigen
Zyklus heiliger Tänze, Rituale und Gebete. Denn er will bewusst
machen, dass die Erde den Menschen alles gebe, was sie zum Leben
brauchen: Nahrung, Wasser, Feuer und das Material für Kleidung.
Sikyea sieht die Erde als einen großen Ball aus Energie, und
alle Menschen sind Teil von ihr. Alles sei beseelt von der einen
selben Kraft: „Wir nennen sie das Große Geheimnis, Great
Mystery, ihr nennt sie Gott".
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Der Dene-Lakota-Indianer
Tim Sikyea berührte bei seinem Besuch viele hundert Menschen.
Sikyeas wichtigstes Anliegen ist es, den Menschen zu vermitteln, dass
sie verbunden sind mit allen anderen Lebewesen - und dass es möglich
ist, mit diesen „anderen" in lebendigen Kontakt zu treten.
„So wie man einem Menschen sagen kann, dass man ihn ehrt und
schätzt, so kann man das auch einem Baum sagen."
Im Weltbild der Indianer ist die Gewissheit verankert, dass es
neben den sichtbaren Kreaturen auch Wesen in der geistigen Welt
gibt, die mit uns in Kontakt stehen, uns begleiten und führen.
Bei der Heilungs-Zeremonie in Großgmain rief Sikyea diese
„Helfer" mit eindrucksvollen Gesängen, und auch
seine Vorträge begann er mit einem „spirit call",
einem Ruf und Dank an die Begleiter aus der spirituellen Welt. „Auch
wenn wir sie nicht sehen, sie tun enorm viel für uns."
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Bei seinen Reisen durch die Welt beobachtet Sikyea,
dass der moderne westliche Mensch sein materielles Wohl überbewerte,
und dabei die spirituellen Aspekte seines Daseins vernachlässige.
„Ihr verschwendet eure Zeit und Energie damit, zu konsumieren
und Besitz zu erwerben, und ihr habt nicht mal mehr Zeit, das alles
zu genießen." Durch die Verstrickung in selbst gemachte
Illusionen würde der Mensch sich schließlich das eigene
Gefängnis bauen.
Den Indianern hingegen war Besitz nie wichtig. Allein die Idee,
man könne Land, also einen Teil von Mutter Erde besitzen, sei
ihnen völlig fremd gewesen, ehe die Weißen kamen. In
seinem Dorf, erzählt Sikyea, bezeichnen die älteren Bewohner
Geldscheine als „devils paper" - Teufelspapier. Der Hintergrund:
Als immer mehr der Jüngeren begannen, in der Stadt Geld zu
verdienen, brach die Gemeinschaft auseinander. Plötzlich gab
es Besitz, den es zu verteidigen galt, zwischen den Häusern
wurden Zäune gezogen, die Menschen isolierten sich. Vorbei
die Zeiten des Miteinanders, in denen sich jeder um jeden kümmerte,
alles mit allen geteilt wurde.
Nichts von all den materiellen Dingen könne man mitnehmen
nach dem Tod, erinnert der Indianer, und deswegen sei es wichtig
sich um das Unsterbliche zu kümmern: die Seele.
Menschen, die sich der Unsterblichkeit ihrer Seele bewusst seien,
könnten heiter, friedlich, gelassen leben. Tim Sikyeas Wunsch
an seine Besucher
„Öffne Dein Herz, und öffne Deinen Geist - dann
ist alles möglich". |