Freilassinger Anzeiger vom 27. Mai 2005
Wenn Fische über Treppen steigen
Das neue Kraftwerk Rott an der Saalach besitzt eine Wanderhilfe für Wassertiere

FREILASSING (ros) - Das modernisierte Kraftwerk Rott der Salzburg AG steht kurz vor seiner Fertigstellung: Am Freitag, 17. Juni, wird es offiziell seiner Bestimmung übergeben. Ebenfalls schon mit Wasser durchflutet ist die Fischtreppe, die seitlich der großen Turbinen errichtet wurde, damit die schwimmenden Wassertiere ungehindert zwischen Unter- und Oberwasser wandern können.

Der Vorgängerbau des neuen Wasserkraft-werks ist in die Jahre gekommen und deshalb war eine Modernisierung aus ökologischer und ökonomischer Sicht erforderlich. Das alte Saalach-Kraftwerk Rott an der Grenze zu Freilassing wurde in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts als „Stützkraftwerk" zur Sicherung der Eisenbahnbrücke errichtet.

Der Bau galt damals als eine wahre Pionier-leistung und mit seiner jährlichen Erzeugung konnten 6.000 Haushalte mit „sauberem" Strom aus Wasserkraft versorgt werden. Nach über 50 Jahren war ein Neubau nötig, im November 2002 wurde damit begonnen und seit dem Jahreswechsel ist die neue Wehranlage in Probebetrieb.

Dieses „E-Werk", das die mechanische Energie des Wassers in elektrische umwandelt, ist von großem Nutzen für den Menschen. Es wird jedoch zur Todesfalle für Wasserbewohner. Bei Fischen und anderen Kleinlebewesen gehört die Wanderung in höher gelegene Flussbereiche zum natürlichen Lebenszyklus.


Der Fischweg wurde mit neuartigen Fertigteil-Elementen gebaut. Foto: C. Rosenberg

Bestimmte Arten wandern stromaufwärts, um geeignete Laichplätze zu finden und dort ihre Eier abzulegen. Dabei treffen sie dann auf Wehranlagen oder Stau-stufen, die ihnen den Anstieg versperren. Deshalb kann es zum Notlaichen unterhalb des Wehres kommen, wo der Laich abgetrieben wird und verloren geht.

Mit Hilfe einer Fischtreppe können die Tiere problemlos Wasserspiegel-differenzen von mehreren Metern überwinden. Unterhalb von Wehranlagen folgen die Fische der Wasser-strömung, bis sie vor der Stauanlage gebremst werden. Sie finden dann aber den Weg durch die ständig von Wasser durchlaufene Fisch-treppe und gelangen so in den Oberlauf des Flusses. Die Wanderung erfolgt jedoch keinesfalls nur in eine Richtung, sondern auc stromabwärts.

Als eine hervorragende Sache bezeichnete Erich Prechtl, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, diese Wanderhilfe für Fische und freut sich, dass die Saalach somit ein Stück durchgängig gemacht wurde. „Die Salzach ist auf 60 Kilometer durchgängig bis zur Solschwelle in Bergheim. Auch das Kraftwerk in Hallein, das ebenfalls schon sehr alt ist, wird zukünftig erneuert und bekommt dann auch eine Fischtreppe", bericht Prechtl und erwähnt das Land Salzburg in seiner Vorreiterfunktion, indem zurzeit 47 Fischpässe bei Wasserkraftanlagen entstehen.

Gleiches wünscht er sich auch für die Saalach: „In diesem Gewässer befinden sie noch eine Reihe von Querbauwerken und Staustufen."

In diesem Zusammenhang erwähnt der Naturschützer, dass laut der europäischen Wasser-rahmen-richtlinie alle Gewässer der EU bis 2015 in einem guten Zustand sein sollte. Wenn das nicht der Fall ist, drohen Strafen in Form von Bußgeldern. Unter einem guten Zustand wird verstanden, dass beispielsweise eine Vielfalt und Fülle an Tieren und Pflanzen sich im Wasser tummeln und eine unverfälschte Gestalt und Wasserführung des Flusses vorhanden sein muss.

Erich Prechtl würde sich wünschen, dass einige Fischarten, wie die Nase, Äsche, Huchen und Bachforelle aufgrund der geschaffenen Durchgängigkeit der Flüsse in dieser Region wieder häufiger anzutrefft sind. So gab es bayernweit große Einbrüche bei Nase und Äsche. „Diese Arten waren bereits fast ausgestorben", erklärte der Kreis-Vorsitzende vom Bund Naturschutz.


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