Freilassinger Anzeiger vom 19. April 2005
Bund Naturschutz kritisiert Golf boom
Bei der Hauptversammlung berichten Mitglieder über die Aktionen im Jahr 2004

FREILASSING (ros) - Während der Jahres-hauptversammlung des Bund Naturschutz BN) im Freilassinger Diakoniehaus ließ der Kreisvorsitzende Erich Prechtl das vergangene Jahr Revue passieren. Als größte Herausforderung sah er das Volksbegehren gegen die geplante Forstreform der Bayerischen Staatsregierung an. Freudig berichtete Prechtl, dass der Heustadel in Haarmoos beim Abtsdorfer See nach 250 Arbeitsstunden in Kürze fertig gestellt ist. Sobald das große Schiebetor eingebaut ist, kann die Einweihungsfeier beginnen.

Erich Prechtl lobte einleitend die gute Zusammenarbeit der Orts- und Kreisgruppe des BN. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit der Mitglieder in Bezug auf den geplanten Golfplatz in Marzoll. In diesem Zusammenhang erwähnte der Kreisvorsitzende weitere angedachte Golfplätze in Sillersdorf, Schönau und Inzell und zeigte sich gar nicht erfreut über diesen „Golfboom".

Doch auch Positives berichtete Erich Prechtl. Als im November der Österreichische Naturschutzbund mit der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach ein Salzachsymposium veranstaltete, gab es eine Annäherung zwischen den Naturschützern und Wasser-bauern. Geplant sind neue Rampentypen, die den Durchgang für Gewässerorganismen nur wenig stören. „Das Leitbild der Maßnahmen ist die Salzach vor der Begradigung um 1817", sagte Prechtl.

Gefreut haben sich die Mitglieder des Bund Naturschutz über die dritte Tranche der FFH-Gebiets-ausweisung. Im Berchtesgadener Land wurden dadurch eine Reihe von besonderen Landschafts-gebieten nachgemeldet, wie beispielsweise die Sur bis Teisendorf, die Streuwiese bei Moosen und die Marzoller Auen.

Der Grund weshalb das vergangene Jahr für den Naturschutz ereignisreich und zugleich arbeitsreich war, lag in den Aktionen der geplanten Forstreform der Bayerischen Staatsregierung. Prechtl erinnerte daran, dass die Kreisgruppe bereits im Frühjahr aktiv wurde, um viele Umwelt-verbände zur Unterstützung des Volksbegehrens im Waldbündnis Bayern zu vereinigen.

Für die vielen Arbeitsstunden zur Errichtung eines Heustadels in Haarmoos bedankte sich Erich Prechtl und Heidi Jersch bei Mathias Spiegelsberger, Johann Putzhammer und Barbara Hofmeister (von links). Foto: C. Rosenberg

„Zu Beginn zogen wir in Shorts durch die Fußgängerzone und später in warmen Jacken", berichtete der Vorsitzende und spielte dabei auf den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter im Waldbündnis Berchtesgadener Land an. Deshalb wird diese Vereinigung auf regionaler Ebene auch weiter bestehen und richtet ihr Augen-merk besonders auf die Entwicklung der Saalforste und das Sonntagshorn.

Stolz berichtete Prechtl, dass die Arbeiten am Heustadel in Haarmoos am Abtsdorfer See weit voran geschritten sind. Die herunter-gekommene Scheune stand direkt am Wanderweg und war dadurch eine Gefährdung.

Balken und Schindel wurden Stück für Stück abgetragen. Auf dem neu errichteten Stadel liegen die alten Schindel, die teilweise aus dem Jahr 1901 stammen. 250 Arbeitsstunden investierten die fleißigen Helfer vom BN. Über den Winter ruhten die Arbeiten, die nun wieder auf genommen werden. „Es fehlt lediglich das große Schiebetor, dann kann die Einweihungsfeier steigen", freut sich der Kreis-vorsitzende.

Über die Initiative „Sonnen-energie vom Watzmann bis zum Wendelstein" berichtete Wolfgang Fieweger. Im vergangenen Jahr seien die Landkreise Traunstein und Rosenheim am Berchtesgadener Land mit ihrer Anzahl an Photovoltaikanlagen vorbei-gezogen. Als Grund sah Fieweger die mangelnde Vorbildfunktion der Kommunen.

„Es wird weder die Rupertus-Therme noch der Neubau des Landratsamtes mit alternativen Energien betrieben", berichtete er und nannte sogleich auch positive Beispiele, wie das Solarkreuz am Dach einer Laufener Kirche sowie eine Hackschnitzel-heizung, die die Gemeinde Ainring errichten will.

„In die Thematik Verbesserung des öffentlichen Verkehrs ist 2004 viel Bewegung gekommen", leitete Michael Behringer, Vorsitzender der Ortsgruppe Freilassing-Ainring und Sprecher des Arbeitskreises Verkehr, seinen Bericht ein und war gleich beim Ausbau der Bahnlinie München-Mühldorf-Freilassing angelangt.

Nicht ohne Stolz erwähnte er, dass im Bundes-verkehrswegeplan die Projekte des BN enthalten sind, „sogar in der Begründung folgte man unseren Anträgen". Der Grund weshalb noch nicht gebaut wird, liegt laut Behringer darin, dass erst die Strecke Stuttgart-München fertig werden muss. Doch nicht nur der Fern- sondern auch der Nahver-kehr soll im Landkreis verbessert werden.

Behringer berichtete über den Stand der Dinge hinsichtlich der Verbesserung der Schienen-verbindung nach Berchtesgaden. In diesem Zusammenhang stellte er das Projekt der Deutschen Bahn Regio Oberbayern und de Österreichischen Bundesbahn vor, die eine S-Bahnlinie von Salzburg nach Berchtesgaden errichten wollen. „Wir können dann bequem von Piding bis Tierpark Hellbrunn oder von Mitterfelden bis Abtenau mit einer Fahrkarte fahren", lautete die Zukunftsvision Behringers.

Nach der detaillierten und korrekten Auflistung der Finanzen durch die Schatzmeisterin Heidi Jersch beantragte der Kassenprüfer Peter Buchmeier die Entlastung des Vorstandes. Dieser Vorschlag wurde einstimmig abgesegnet, ebenso wie seine erneute Wahl zum Kassenprüfer. Dadurch wird Peter Buchmeier dieses Amt auch in Zukunft ausführen.

 


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