Freilassinger Anzeiger vom 3.Juli 2003
Biomasse als Energieträger mit Zukunft
Eine Chance für Landwirte und Kommunen - Info-Veranstaltung in Feldkirchen
FELDKIRCHEN - Die Ortsgruppe Ainring - Freilassing - Saaldorf - Surheim des Bundes Naturschutz (BN) lud zusammen mit dem Energie-Arbeitskreis der Agenda 21 Berchtesgadener Land zu einer Informationsveranstaltung ein. Drei Referenten berichteten über ihre Erfahrungen mit der Nutzung von Biomasse in Kommunen und Privathaushalten zur Wärme-gewinnung. Zahlreich anwesende Bürgermeister, Kommunalpolitiker, Bauernvertreter und Fachleute machten deutlich, dass ihnen die Biomasse am Herzen liegt.

Im Gasthaus Gumping in Feldkirchen konnte Michael Behringer, Orts-Vorsitzender des BN, die Gäste willkommen heißen.

Er erinnerte an die großartigen Erfolge der überregionalen Initiative „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein", die die Erwartungen der beteiligten Verbände übertroffen hat. Die Nachfrage nach regenerativen Energien in der Bevölkerung ist größer als man gemeinhin annimmt.

Es ist Aufgabe und Ziel des BN, eine zukunftsfähige Energie-versorgung zu vertreten und entsprechende Initiativen zu unterstützen.
„An diesem Abend wollen wir zusammen mit der Agenda 21 ein neues Kapitel dieser Zukunft aufschlagen", so Behringer.

Keineswegs geht es dabei um „Hirngespinste oder Träumereien", vielmehr um realistische und bereits vielfach durchgeführte Projekte, die sich rechneten.

Mit diesem Rüstzeug ausgestattet, ist jetzt die Zeit für eine Bündelung der Kräfte im Landkreis reif. Gerade die Bio-masse eröffnet den Landwirten dringend benötigte Einkommens-quellen, die mit der EU-Osterweiterung weniger sprudeln werden.

Bei allen Energie-Initiativen ist beabsichtigt, die Wirtschafts-kraft im Landkreis zu halten, um Arbeitsplätze zu sichern.

Michael Behringer stellte die Referenten vor. Er begrüßte Dr. Frank Wolf, Vorsitzender des Arbeitskreises Energie der Agenda 21 im Landkreis. Wolfgang Fieweger, Mit-Initiator der Initiative „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein" und 2. Kreisvorsitzender des BN,

Winfried Orth, Haupt-preisträger des 1.Großen Österreichischen Solar-architektur-Wettbewerbs für besondere energie-technische Leistungen und den Obmann des Hackschnitzel-heizwerkes Grödig in Österreich, Johann Fuchs jun.

Als Vertreter des Agenda 21-Prozesses für Energie im Landkreis erinnerte Wolf die Zuhörer an die 1992 in Rio de Janeiro beschlossenen Ziele der Agenda21:

  • Hunger,
  • Armut,
  • Krankheit,
  • Analphabetismus,
  • und die Schädigung der Ökosysteme

zu bekämpfen.

„Wir alle sind aufgefordert, uns für eine Zukunft einzusetzen, die allen Menschen und deren Umwelt gerecht wird. Diese Verpflichtung könne am besten mit „Global denken, lokal handeln" umschrieben werden, so müssen auch der Landkreis, seine Bürger, die Organisationen und die Privat-wirtschaft ihre Kräfte für eine nachhaltige Entwicklung bündeln", betonte Dr. Frank Wolf.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass konkrete, realistische Ziele äußerst erfolgreich erreicht werden können, so der Referent. Das sind Initiativen, wie „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein" mit den zahlreichen Bürgersonnen-kraftwerken und der "Energiespar-kompass des Landkreises BGL", die auf breiter Basis aktiven Klima-schutz und eine Stärkung der lokalen Wirtschaft betreiben.

Bayerns Umwelt-Minister Schnappauf bezeichnete bei der Verleihung des Agenda21-Preises an die lokale „Sonnen-strom - Initiative", die Lösung des Energie-problems als „die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts". Er unterstrich, dass die Industrie-länder dabei die Vorreiterrolle übernehmen müssen, um Entwicklungs-ländern ein Vorbild zu sein.

Wolf rief dazu auf, „mit neuer Energie in das neue Jahrtausend" zu starten, mehr Energie zu sparen und erneuerbare Energien effektiver zu nutzen.

Das BN-Engagement der vergangenen Jahre skizzierte Wolfgang Fieweger anhand der erfolgreichsten Projekte „Chiemgau Solar" zugunsten der Warmwasser-Erzeugung und „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wen-delstein". Im ersten Teil seines Vertrages erläuterte er mit zahlreichen Diagrammen und Schaubildem die derzeitige Energienutzung sowie deren weitreichenden Folgen.

Danach wurde das Augenmerk auf die gegenwärtige Energie-situation, die Einspar-möglichkeiten und erneuerbare Energiepotentiale im Landkreis gelegt. „Wir haben doch alles Nötige vor der Haustüre und könnten selbst daran verdienen", so Fieweger.

Wie zahlreiche Studien belegen, kann man 50 Prozent der Energie sparen und die andere Hälfte annähernd Kohlendioxid-neutral erzeugen. Dies ist auch die Absicht des Kreistages, der eine Energie-wende bis zum Jahr 2030 anstrebt.

Wie das in der Praxis aussehen kann, erläuterte Winfried Orth, Planungsexperte für Geothermie, Solar und Biomasse, am Beispiel verschiedener Projekte. Seine Erfahrung
„Erneuerbare Energien schaffen Beschäftigung."

Er thematisierte den Holzzuwachs in Deutschland von jährlich 58 Millionen Kubikmetern. Davon werden zurzeit nur gut die Hälfte genutzt. „Das macht den Landwirt zum Energiewirt der Zukunft", folgerte Orth.

Die zahlreichen Beispiele in anderen europäischen Ländern, insbesondere im Nachbarland Österreich, wo die „Holzabfälle" in zahlreichen Nah-, Fern- und Prozesswärmeanlagen erfolgreich eingesetzt werden, zeigen, dass Hackgut mit allen fossilen Brennstoffen jederzeit konkurrenz-fähig sind.

Die Abnehmer sind Kommunen, Bauträger, Wohnbau-genossen-schaften, Privat-haushalte sowie die Wirtschaft. Entscheidend für die Wirtschaft-lichkeit ist die richtige Dimensionierung der Anlagen.

Genau zum gleichen Schluss kommt der Landwirt Johann Fuchs jun. als Chef der Betreiber-gesellschaft des Hack-schnitzelwerkes Grödig. Er berichtete von den politischen Kämpfen in seiner Gemeinde 1997, als die Grünen vorpreschten.

Jahrelang wurde das Thema verschleppt und mit Unsicherheiten bei der Wirtschaftlichkeit begründet.

1999 beschloss man gemeinsam zu handeln, weil man überzeugt war vom Zukunftsmarkt dieser Idee. Binnen kurzem war das Werk ein bedeutender Wirtschafts-faktor, nachdem die Infra-struktur stand.

Fuchs sah es als sinnvoll an, mit großen Abnehmern zu starten, wie Gemeinden und Wohnungs-genossen-schaften. „Die Kaufkraft bleibt im Ort, der Preis stabil, Arbeits-plätze sind gesichert", stellte er fest.

Die Referenten haben gezeigt, dass es machbar ist, Biomasse zu nutzen, und mit welchen Methoden, so Veranstaltungs-leiter Behringer:

„Und es zeigt sich, dass man nicht warten muss, bis Lösungen von der großen Politik kommen, sondern auch von der Basis gelingen können."

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