Freilassinger Anzeiger am Samstag, 1.März 2003
Solarstrom als Alternative
Bürgersonnenkraftwerk gibt Tipps zum Energiesparen

Ainring(schu) Im Rahmen der Agenda21 Aktion "Energiespar-kompass" des Landkreises Berchtes-gadener Land führte das Bürger-sonnenkraftwerk Ainring einen Informa-tions-abend zum Thema "Energieträger Sonne" durch.

Vorstandsmitglied Hermann Schubotz informierte über die drohende Klimakatastrophe und dem steigenden Kohlendioxid Ausstoß, über die Technik der Solarstrom Energie und die Möglich-keiten der Beteiligung am Bürgersonnen-kraftwerk. Die Solarfreunde nutzen die Gelegenheit, den anwesen-den Gesellschaftern und Förderern ihren zugesag-ten Zinsertrag von 3%, als "cash von der Sonne" auszuzahlen.

Im Gasthofe Alpenblick in Perach konnte der Agenda21 Beauftrage des Landrats-amtes, Stefan Neiber zahlreiche Gäste begrüßen. Eingangs wies auf die Notwendigkeit von Energie-maßnahmen hin, an der sich jeder Bürger beteiligen kann und auch soll. (Am heutigen Abend werde exemplarisch die Gewinnung von elektrischer Energie von der Sonne und der Zusammenhang mit dem Weltklima dargestellt.)

Am Beispiel eines Wohnhauses wurde dargestellt, und wie mann mit Sonnenenergie gewinnen und mit ihr sparsam umgehen kann. (Nur über beide Schienen, der Energieeinsparung und der Energie-erzeugung aus regenerativen Energiequellen seien die zu Ende gehenden bisherigen Energie-trägern zu ersetzen und eine Energie-wende machbar.)

Hermann Schubotz zeigte in einer Computerräsentation, dass der Kern des Klima-problems der so genannte Treibhaus-effekt ist. Die Sonnen-strahlen erwärmen die Erdober-fläche, die entstehende Hitze kann aber nicht im notwendigen Ausmass wieder abgestrahlt werden, da die von den Industrienationen erzeugten Treibhausgase die Atmo-sphäre zu stark verdichten und die Wärme wieder auf die Erde zurückgestrahlt wird.

Das beim Verbrauch von Öl und Kohle entstehende Kohlendioxid macht über 50% der Treibhausgase aus, wusste Schubotz zu berichten.

(Deshalb sei es nur folgerichtig, dass sich die wesentlichen Reduzierungs-maßnahmen auf diesen für die Vegetation notwendige aber in einem Übermaß vorhan-denen und damit klimaschäd-lichen Bestandteil der Luft konzentrierten. In über die Jahre folgenden welt-weiten Klima-konferenzen würden immer wieder neue Reduzierungs-ziele für die einzelnen Länder festgelegt.

Das Klimafolgen-forschungs-institut aus Potsdam fordere eine schnelle Reduzierung auf 50 Prozent CO2-Ausstoß, um wenigstens die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden zu können. Das aus dem Gleichgewicht kommende Weltklima zeigt sich auch bei uns mit Sintflut artigen Regen-güssen und Über-schwem-mungen im Sommer wie in Sachsen im vergan-genen Jahr und schneearme Winter in den Alpen.)

Laut Aussagen des bayerischen Wirtschafts-ministeriums reicht der zur Zeit wichtigste Primär Energie-träger Erdöl noch für rund 40 Jahre. Hier bietet sich der Energiespender Sonne an, betonte das Vorstands-mitglied. "Es muss nur (in der noch verbleibenden Zeit) ein neues Energiesystem auf-gebaut werden, das auf Sonnenenergie beruht und die fossilen Energie-träger schont".

Mittels einer anschaulichen Grafik der Elektrizitätswerke zeigte der Referent, dass schon bei der Förderung und Umwandlung vom Primär-energieträger rund ein Drittel der Energie verbraucht wird.

Beim Konsumenten geht dann ein weiteres Drittel verloren, sei es durch Vergeudung, nicht-optimale Einstellung der Geräte oder auch durch den Standby-Modus. (Aber von der somit dreifachen Energie-menge werde das klima-schädliche Kohlendioxid erzeugt.)

(Jedoch ist die Erzeugung von Kohlendioxid "ungerecht" über die Erde verteilt. Während ein Afrikaner mit 0,4 Tonnen dabei ist, die Deutschen 12 Tonnen CO2 erzeugen, bringt es ein Amerikanischer Staatsbürger auf 22 Tonnen pro Jahr. Eine ineffektive Stromumwandlung, exzessiver Energie-verbrauch und die immer laufende Klimaanlage tragen zu diesem hohen Anteil bei).

Weiterhin erläuterte Schubotz die Vorteile der solaren Stromerzeugung. Die Sonnen-energie steht täglich und kostenlos zur Verfügung, die Umwandlung in elektrischen Strom erfolgt ohne Lärm und Luftverschmutzung und hinterläßt keine gefährlichen Abfälle.

Durch die vermehrte Nutzung lokaler Energie-träger wie der Sonne wird die Abhängigkeit von auslän-dischen Energieimporten reduziert und damit das Problem der Energie-versorgung aus unsicheren Herkunfts-ländern verringert.

In Ainring und fast allen anderen Orten des Land-kreises entstanden vor zwei Jahren Bürgerbeteilgungs-gesellschaften, die auf kommunalen Dächern Photovoltaik Anlagen betreiben.

Die Erzeugung von Solarstrom mit einem solchen System wird seit nun rund drei Jahren mit einem zinsreduzierten Darlehen von 1,9% gefördert, berichtete Schubotz.

Gleichzeitig wird durch das "Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien" ein fest-gelegter Abnahmepreis von 45,7 Cent für jede ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde des Solarstroms auf zwanzig Jahre zugesagt.

(Jeder Hauseigentümer, der ein eigenes und geeignetes nach Süden gerichtetes Dach besitze, könne sich eine eigene Solarstrom Anlage aufs Hausdach montieren lassen und damit praktisch seinen eigenen Strombedarf selbst erzeugen.

Der Referent motivierte die Zuhörer, jetzt die Zeit zu nutzen und die Photovoltaik Anlage zu planen und zu kalkulieren und dann im Frühjahr die Sonnenenergie bei der längeren Sonnen-scheindauer ausnutzen.)

Die Experten des Bürger-sonnen-kraftwerkes Ainring stehen allen Interessierten bei Fragen zur Verfügung.

Der Solarstammtisch findet an jedem dritten Montag im Monat im Gasthaus Alpenblick in Perach ab 19h30 statt.  Weitere Informationen gibt es unter Telefon 08654-494105 oder auf der Internet-Adresse www.sonnenkraft-ainring.de -schu-

 Gespannt hörten die Zuhörer über die Möglichkeiten der solaren Strom-erzeugung, die ihnen vom Bürgersonnenkraftwerk Ainring beim Energie-informationsabend in Perach präsentiert wurden. Foto: Hermann Schubotz
Foto: Gespannt hörten die Zuhörer über die Möglichkeiten der solaren Strom-erzeugung, die ihnen vom Bürgersonnenkraftwerk Ainring beim Energie-informationsabend in Perach präsentiert wurden. Foto: Hermann Schubotz