Freilassinger Anzeiger vom 20.Juli 2001
Solarstrom in Ainring ein runde Sache
Gesellschaft Sonnenkraftwerk der Bürger in Gründung, mit 2.000 Mark dabei
Ainring (schu). Auch für die Ainringer wird der Eintritt ins solare Zeitalter immer leichter. Besitzer von nach Süden ausgerichteten Hausdächern können mit einer Zwei Kilowatt Anlage für etwa 30.000 DM die Sonnenenergie ernten und den Strom für 99 Pf je Kilowattstunde an den Stromversorger verkaufen. Für alle anderen Solarstrom Begeisterten ist nun eine Gesell-schaft in Gründung, an der sich jeder Bürger mit einer Einlage ab 2.000 DM beteiligen kann.
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Zufriedene Gesichter bei den Veranstaltern (von links) Wolfgang Fieweger von der Solarstrom Aktion, Gemeinderat Hans Pöllner, BN-Ortsvorsitzender Michael Behringer, Elektromeister Siegfried Eschlberger, und Rainer Hunklinger von der Sparkasse Berchtesgadener Land. Foto: Schubotz

Der Ainringer Gemeinderat Hans Pöllner berichtete bei einer Informationsveranstaltung, dass nach dem einstimmigen Gemeinderatsbeschluß, gemeindeeigene Dachflächen kostenlos für eine solare Gemeinschaftsanlage zur Verfügung zu stellen, man das Dach der Sporthalle zum Sitz der ersten öffentlichen Solaranlage in Ainring auserkoren habe. Man wolle mit einer Erstinvestition von 10 Kilowatt für etwa 130.000 DM beginnen und dann die Anlage weiter bis auf etwa 50 Kilowatt ausbauen. Die Einlage der Bürger werde aus den Solarerträgen mit 3,25 Prozent verzinst. So habe der Bürger neben seinen Beitrag zur Energiewende und Schonung der zu Ende gehenden Ressourcen wie Kohle, Öl und Erdgas, auch sein Geld gut angelegt.

Wolfgang Fieweger von der Solarstrom Aktion "vom Watzmann bis zum Wendelstein" referierte über die Anschaffung einer Solarstrom Anlage. Die Aktion sei eine Zusammenarbeit der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land, der Elektroinnung, diverser Städte und Umweltverbände wie dem Forum Ökologie und dem Bund Naturschutz. Für alle drei Landkreise habe man sich das Ziel von 3.000 Kilowatt installierter Solaranlagen gesetzt, mittlerweile seien bereits 1.000 Kilowatt mit einem Auftragsvolumen von etwa 10 Millionen Mark erreicht.
Wie die Natur ihre Energieproduktion de-zentral halte, so solle auch die solare Energie-versorgung de-zentral ablaufen, indem viele kleine Anlagen in den großen See des imaginären Stromspeichers ihren Strom einspeichern und jeder Stromverbraucher sich aus diesem Speicher, dem Stromnetz, mit Strom versorge. Durch vermehrten Einsatz von Solaren Energieformen werde man auch von ausländischen Energieimporten unabhängiger. Das in die Anlagen investierte Geld bleibe im Landkreis und stabilisiere die heimische Wirtschaft und schaffe und sichere weitere Arbeitsplätze.
In einer anschaulichen Grafik erläuterte der Freilassinger Stadtrat, dass bis zum Jahre 2050 die herkömmliche Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen größtenteils durch Energiesparen und solare Energieformen wie Biomasse, Wasser und Windkraft und Solarstrom Anlagen ersetzt werden kann. Dies passiere aber nicht von alleine, sondern die Bürger müßten das hervorragende Angebot des Gesetzes zum Vorrang der regenerativen Energien (vom 1.4.2000) auch nutzen, nach dem die Einspeisung von Solaren Strom mit 99 Pf je Kilowattstunde vergütet und auf 20 Jahre garantiert wird. Strom aus Anlagen, die erst im Jahr 2002 in Betrieb gehen, werde mit 94 Pf je Kilowattstunde auf zwanzig Jahre vergütet.
Der praktische Weg zur eigenen Solarstromanlage ist laut Fieweger ganz einfach. Man lässt sich von einem Fachbetrieb ein Angebot unterbreiten. Über die Hausbank stellt man dann einen Antrag auf Finanzierung bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Sobald deren Eingangsbestätigung eingetroffen sei, könne die Anlage in Auftrag gegeben werden. Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme werde die Solaranlage beim lokalen Stromversorger angemeldet und die Rechnung des Elektro Fachbetriebes mit dem dann eingetroffenen Darlehen der KfW bezahlt.

Dann bleibe nur noch, die Kreditrate mit den Solarerträgen zu bezahlen und sich am Sonnnenschein und dem täglichen Solarertrag zu erfreuen. Nach zehn Jahren sei das Darlehen zurückgezahlt und der Solargewinn gehe für die restlichen etwa 15 Jahre auf das eigene Konto.

Über die finanziellen Voraussetzungen und guten Förder-möglichkeiten berichtete der Sparkassen fachwirt Rainer Hunklinger von der Sparkasse Berchtesgadener Land. Bis fünf KiloWatt werde pro kW 12.825,00 DM gefördert, darüber hinaus jede KW mit 50% des Betrages. Es gebe weitere Programme, z.B. das Sonderprogramm Photovoltaik, das 4 Prozent Zinsen koste, jedoch keine Wartezeit beinhalte.

Zur Funktionsweise eine Solarstromanlage erläuterte der Ainringer Elektromeister Siegfried Eschelberger, dass man je KW installierter Leistung etwa zehn Quadratmeter Dachfläche benötige. Optimal sei eine Ausrichtung direkt nach Süden und eine Dachneigung von 20 - 30 Grad. Jedoch brächten geringe Abweichungen von dieser Optimallage auch noch sehr gute Erträge. Des Weiteren benötige man einen Wechselrichter, der den in der Anlage gewonnenen Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umwandele. (Und natürlich einen Einspeisezähler, um die solar geernteten Kwh auch von dem Stromversorger vergütet zu bekommen).

(Der kürzlich gewählte Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz Michael Behringer bedankte sich bei den Referenten für die klaren und nachvollziehbaren Aussagen und wünschte sich eine rege Beteiligung seitens der Naturschützer, denn jede KWh Solar erzeugten Stroms verringere die Belastung der Natur mit klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) und die Errichtung einer Solarstromanlage sei "gelebter Naturschutz".)

Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Johann Eschelberger, erklärte, dass ihn die Möglichkeiten der solaren Energieversorgung sehr beeindruckt hätten, er die Sache unterstützen und sich auch an der Gemeinschaftsanlage Bürgersolarkraftwerk Ainring beteiligen wolle. Er schlug vor, in einem Beiblatt oder in einer Sonderausgabe, das Projekt den Ainringer noch einmal im Detail vorzustellen, damit sich diese dann aufgrund der fundierten Information für eine solare Zukunft ihrer Gemeinde entscheiden können.

Hans Pöllner brachte den Vorschlag, die Gründungsversammlung noch vor den Sommerferien stattfinden zu lassen. Daraufhin beschlossen die Anwesenden als Termin Donnerstag, den 26.Juli um 20h. Die Gründung findet im Sitzungssaal im Rathaus der Gemeinde Ainring statt. Weitere Information und Anmeldungen und der Gesellschaftsvertrag können bei Hans Pöllner unter Tel. 08654-5512 angefragt werden.

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