| Eigentlich
war man sich in der Sache ja einig. Weg von den fossilen Brennstoffen,
hin zu den erneuerbaren Energien. Disput gab es allerdings über
den Weg, wie eine solche Energiewende bis zum angestrebten Zeitpunkt,
dem Jahr 2030, herbeigeführt werden kann.
Die
Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wollte hierzu
ein über-parteiliches Forum einrichten, in dem vor allem Repräsentanten
aus der Wirtschaft, dem Handwerk, der Landwirtschaft, dem Naturschutz,
dem Finanzwesen, den Energie-versorgungs-unternehmen und weiteren
mitarbeiten.
In
seinem Sachvortrag wies Landrat Martin Seidl auf die zahlreichen
Aktivitäten hin, die er seit Jahren unterstütze. Hier
nannte er die Hackschnitzelheizung der Watzmann Therme, die Aktion
"Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein" und die
Unterstützung bei der Genehmigung von kleinen Wasser-kraftwerken.
Auch
erinnerte er an die Solar-stromanlage für das Rottmayr-Gymnasium
und die Wärmedämm-maßnahmen am Karls-gymnasium sowie
die Unterstützung des Elternbeirats und Fördervereins
dieses Gymnasiums, um den Bau einer Solar-stromanlage zu ermöglichen.
Neben
den Mitarbeitern, die für Wirtschafts-förderung und den
Agenda-21-Prozess zuständig sind, nannte Seidl als wichtige
Funktionsträger in diesem Themenkomplex auch den Agenda-21-Arbeitskreis,
"Energien und Ressourcen".
Hier
werde zum einen umfassend über die Fördermöglichkeiten
im Bereich erneuerbarer Energien und Energiesparmaßnahmen
beraten und für die Nutzung dieser Energieformen geworben.
So hätten etwa die Initiativen "Sonnenstrom vom
Watzmann bis zum Wendelstein" und "Chiemgau-Solar"
in der Region einen regelrechten Boom für Fotovoltaik beziehungsweise
Sonnenkollektor-anlagen ausgelöst.
Mehr
Energieeinsatz für erneuerbare Energien
"Die
Einrichtung eines neuen, überparteilichen Gremiums, wie im
vorliegenden Antrag der Grünen gefordert, erscheint mir daher
überflüssig, da solch ein Gremium bereits existiert",
schlussfolgerte der Landrat. Und weiter: "Ich betrachte den
Antrag deshalb für erledigt." Allerdings halte er zur
Bewältigung der Aufgaben in diesem Bereich eine personelle
Aufstockung durchaus für erforderlich und
von der Agenda auch ausdrücklich gewünscht.
Hans
Metzenleitner (SPD) befürwortete grundsätzlich
den Antrag der Grünen mit dem ehrgeizigen Ziel einer Energieumstellung
bis zum Jahr 2030. Hierfür ist nach Ansicht des Landratskandidaten
allerdings nicht unbedingt ein neues Gremium erforderlich. Notwendig
ist aber auch laut Metzenleitner eine personelle Aufstockung
durch Fachleute aus den Handwerksinnungen aber auch der Kredit-institute
dringend notwendig.
Auch
der Landrat müsse sich engagieren, und politische Prioritäten
setzen und Vorgaben machen. "Der Agendaprozess braucht
immer wieder die politische Legitimation. Der Landrat ist die Person,
die dahinter stehen muss", machte er deutlich.
Am
wichtigsten sei allerdings eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit.
Es müsse eine öffentlichen Kampagne geben, Grund- und
Hausbesitzer müssten über die Möglichkeiten und Fördermittel
informiert werden. Der
Bürgermeister von Anger, Enzinger, betonte,
dass die Voraussetzungen im Energiebereich allen bewusst seien.
Allerdings schränkte er ein: "Ein sparsamer Umgang
mit Energie dürfe allerdings nicht die wirtschaftliche Entwicklung
einschränken. |
Auch
er zählte eine Reihe von Aktivitäten auf, die von den
Gemeinden des Landkreises unterstützt würden wie Biogasnutzung
bei den Klärwerken, Hackschnitzelheizungen, die in Laufen,
Teisendorf und Berchtesgaden in Betrieb seien und einiges mehr.
"Im Vergleich ist unser Landkreis da gar nicht so schlecht".
Bei
der Renaturierung der Flüsse sollte allerdings vermehrt die
Nutzung der Wasserkraft beachtet werden. Enzinger
betrachtet die Schaffung eines neuen Gremiums, wie es die Grünen
schaffen wollen, als Missachtung der Agenda-Arbeitsgruppe, die ja
die gleichen Ziele wie im Antrag der Grünen verfolge.
Eindeutiges
politisches Signal
Dr.
Bartl Wimmer, Landratskandidat der Grünen, machte deutlich,
dass es entgegen der Unterstellungen Enzingers nicht darum gehe,
das Agenda-21-Gremium zu streichen.
Er
betonte ausdrücklich, dass der Antrag der Grünen auch
auf ausdrücklichen Wunsch der Mitarbeiter dieses Arbeitskreises
gestellt worden sei, um so eine breite gesellschaftliche Unterstützung
und ein eindeutiges politisches Signal zu erhalten.
Die
wirtschaftspolitische Bedeutung einer Energie-wende
griff Wimmer besonders heraus. So würde jährlich für
190 Millionen Mark Energie von außerhalb des Landkreises importiert.
Dieses Geld könne auch im Landkreis verwendet werden.
In
kaum einem Bereich seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen viel
versprechender für die Wertschöpfung als bei der Energie,
stellte Wimmer fest.
"Was
wir brauchen, ist ein starkes wirtschafts-politisches Instrument
anstelle einzelner kleiner Signale". Dies könne
ein kleines ehrenamtliches Gremium wie der Agenda-21-Arbeitskreis
vor dem Hintergrund eines Ziels von so enormer Bedeutung kaum leisten.
Wenn
allerdings der Landrat die Aussage treffe, die jetzigen Strukturen
zu stärken und hier geballtes Know-How einzubringen, bestünden
die Grünen nicht auf der Schaffung eines völlig neuen
Gremiums.
Insoweit
änderte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ihren
Antrag, und stellte neben der Perspektiventscheidung für eine
Energiewende bis zum Jahr 2030 die Verstärkung des entsprechenden
Agendaforums mit Fachleuten zur Abstimmung.
Landrat
Martin Seidl hob in diesem Zusammenhang hervor, dass er es gerade
für sinnvoll halte, dass in diesem Gremium gerade auch Vertreter
von Gruppen beteiligt würden, die mit den erneuerbaren Energien
Geld verdienen. So bekomme die Sache die nötige Dynamik.
Auch
die Vertreter der CSU konnten sich mehrheitlich mit dem geänderten
Antrag der Grünen anfreunden. "Damit wird jetzt etwas
beantragt, was bereits voll läuft. Die Grünen wollen also
Eulen nach Athen tragen", kommentierte CSU-Kreisrat Franz Xaver
Werkstetter den veränderten Antragstext, dem er allerdings
so zustimmen könne.
Nur
sieben der 50 anwesenden Kreisräte wandten sich letztlich gegen
die Grundsatz-entscheidung, die Energieversorgung des Land-kreises
bis zum Jahr 2030 mit erneuerbaren Energien anzustreben und hierfür
das Agenda-Gremium zu stärken.
Holger Lotz
redaktion@berchtesgadener-anzeiger.de |