Südostbayerische Rundschau vom 8. September 1999
Strom hat die Farbe weiß
Leserbrief von Hermann Schubotz zu den neuen Stromtarifen
 

Leserbrief zu den neuen Strompreistarifen

Die Tatsache, daß die Strompreise durch die Liberalisierung des Strommarktes in Bewegung kommen, ist an sich eine erfreulich gute Sache. Jeder Bürger wird sich freuen, wenn es irgendwo etwas zum Einsparen gibt. Und die neuen Stromanbieter kleckern nicht mit Preisreduktionen, sondern sie klotzen. Da ist von über 20% und mehr an Tarifsenkungen die Rede. Ein gewisser Gelber Riese versucht mit verlockenden Angeboten auch in unserem Landkreis neue Kunden zu gewinnen und Fuß zu fassen. Der umweltbewußte Bürger sollte hier neben dem Preis noch weitere Kriterien an den Tag legen, er sollte z.B. fragen, zu wieviel Prozent der neue Strom und angeblich "bessere" Strom aus regenerativen Energiequellen wie Solar, Wind oder Biomasse stammt, oder wie hoch der Anteil des Atomstromes dabei ist, oder inwieweit Arbeitsplätze in der Region dadurch verloren gehen, daß Stromkunden den einzelnen Pfennigen nachjagen, ihrem heimischen Stromversorger untreu werden und zu einem anderem Stromanbieter überwechseln. Neue Arbeitsplätze an Rhein oder Neckar nutzen uns im Berchtesgadener Land herzlich wenig.
Zeiten des Wechsels sind auch immer Zeiten der Chance, nämlich dem Solar erzeugten Strom eine Chance zu geben, sich am Markt zu etablieren. Man erinnere sich daran, daß erst vor wenigen Jahren der sogenannte Kohlepfennig zur Stützung der Stromgewinnung aus rheinischer Steinkohle, der inzwischen auf sieben Pfennige angewachsen war, aus verfassungsrechtlichen Gründen beseitigt worden war und der Strompreis dadurch gesenkt werden konnte. Die Kohlepfennige werden meines Wissens nun aus dem Staatshaushalt finanziert. Die historische Chance, einen Solarpfennig einzuführen, wurde verpaßt. Dieser hätte Milliarden DM für die Entwicklung und Erprobung von Stromgewinnungssystemen aus Solarenergie mit Hilfe der Photovoltaik und zur Massenproduktion der Solar-Module bereitgestellt.
Diese Gelegenheit bietet sich nun heute wieder bei der Gestaltung der neuen Stromtarife an. Mit einem einzigen Pfennig pro Kilowattstunde, die etwa 30 Pfennig kostet, für die Solarenergie im Anteil der Strompreissenkung könnten in Freilassing alleine etwa 300 Photovoltaik Anlagen finanziert werden.

Die dadurch möglichen Förderungen bringen neues Geld in die Region und Arbeit für unsere Handwerks und Handelsbetriebe. Die dadurch etwas geringer ausfallende Strompreissenkung kann mit leichten Stromsparmaßnahmen mehrfach wieder eingeholt werden. Das sollte uns die Umwelt und eine CO2-freie Stromerzeugung wert sein. Der das Überleben auf der Erde bedrohende Treibhauseffekt wird zu über 50% vom CO2 Ausstoß verursacht. Das CO2 wiederum entsteht durch Verbrennung von Kohle, Erdöl und Gas beim Verkehr, bei der Wärme- und eben bei der Stromerzeugung.

Deshalb ist es so wichtig, beim Stromverbrauch zu sparen und andererseits solare Energieformen vorrangig zur Anwendung zu bringen. Die Notwendigkeit, verstärkt auf Solarenergie zu setzen und diese zu fördern, wird durch die einsetzende Verknappung des Erdöls deutlich, denn der Barrelpreis verdoppelte sich in wenigen Wochen auf etwa 20 US-Dollar. Die Erdöl produzierenden Länder fangen an, ihre eigenen Ölreserven zu schonen. Wir sollten damit beginnen, die bei uns kostenlose vorhandene Sonneneinstrahlung zur Energie- gewinnung zu nutzen, solange die Energie aus fossilen Energieträgern noch relativ preiswert ist. Und hier hilft der Solarpfennig, sei er nun gesetzlich vorgeschrieben, oder in die neuen Strompreise einkalkuliert oder vom Stromkunden auf freiwilliger Basis aus Verantwortung für die Umwelt und die künftigen Generationen geleistet. Der Solarpfennig kann für die Massenproduktion an Solar-Modulen und die Einführung dieser Abfallfreien und aus kostenloser Sonnenenergie erzeugten Energieform der Durchbruch sein.

Im übrigen bin ich der Meinung, daß Strom die Farbe Weiß besitzt, man schaue sich nur die Farbe eines Blitzes beim Gewitter an. Ansonsten müßte man auch vom grünen Öko-Strom oder vom schwarzen Atom-Strom reden.

gez.
Hermann Schubotz, Freilassing

 

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