Südostbayerische Rundschau vom 5. Februar 2000
Freilassinger Bürger sind dem Stromfresser auf der Spur
Im Rahmen der Agenda21: Stromsparen macht Spaß und spart Geld! Ab sofort können kostenlos Geräte zum Strom-Messen ausgeliehen werden
  FREILASSING/ (schu) Die Freilassinger Bürger können nun den Stromverbrauch ihrer elektrischen Geräte direkt messen und dabei herausfinden, welches Gerät in ihrem Haushalt der Stromfresser ist. In einer Gemeinschaftsaktion von sechs Freilassinger Elektrobetrieben, der Thüga AG und dem Bund Naturschutz wurde eine umfangreiche Anleitung entwickelt, um sie den Bürgern zusammen mit einem Strommessgerät kostenlos für die Messaktion zur Verfügung zu stellen.

Ausleihstellen für Strom-Messgerät:

Das Strommessgerät mit umfangreicher Bedienungsanleitung zur Messdaten-erfassung gibt es gegen einen Pfand und für maximal 14 Tagen zum kostenlosen Ausleihen bei folgenden Betrieben während der Geschäftszeiten:

  • Falkenberg Haustechnik, Lindenstraße 15 und 18, Tel. 9369
  • Elektro Müller, Hauptstraße 5, Tel. 9482
  • Masters Schalch Ludwig-Zeller-Straße 35, Tel. 1888
  • EP: Dietrich Sony World Fürstenweg 9 Tel. 494760
  • Elektro Rose Obere Feldstraße 2, Tel. 479330
  • Elektro Schatzl Görlitzer Straße 6 Tel. 49830
  • Thüga AG, Alpenstraße 1 Tel. 4920
  • Bund Naturschutz Laufener Straße 1 Tel. 61620 (Dienstag 9-11h oder nach telefonischer Vereinbarung)

 

In der Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises "Wirtschaft und Energie" der lokalen Agenda 21 unter dem Motto "Dem Stromfresser auf der Spur" konnte Bürgermeister Josef Flatscher gut sechzig interessierte Bürger und Vertreter der beteiligten Betriebe im Rathaussaal begrüßen. Aufgabe der Agenda 21 sei es, Ideen in die Tat umzusetzen, und diese Strommessaktion sei ein Paradebeispiel dafür, erklärte der Bürgermeister. Energiesparen heiße, die Lebensgrundlagen auf dieser Erde für die Nachkommen zu erhalten und Stromsparen sei mit Umweltschützen gleichzusetzen. Als netter Nebeneffekt bleibe dem Bürger auch noch mehr Geld in der Haushaltskasse für andere sinnvollere Ausgaben übrig. Der Bürgermeister bedankte sich beim Agenda 21 Mitglied Hermann Schubotz, dem Initiator dieser Aktion, für die vielen geleisteten ehrenamtlichen Stunden, die er für die Konzipierung der Aktion und die Entwicklung der Messdaten Erfassungsformulare aufgebracht habe. (Die Agenda 21 kann als Handlungsprogramm für das 21. Jahrhundert angesehen werden. Sie wurde auf der Konferenz für "Umwelt und Entwicklung" 1992 in Rio de Janeiro beschlossen und wird mittlerweile in vielen bayerischen Gemeinden umgesetzt. Ihr Hauptziel ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen mittels regionaler Versorgung und Nutzung erneuerbarer Energieformen.)

Bevor Dr. Ulrich Zeeb, Leiter des städtischen Umweltreferats den Gastredner des abends, Prof. Mader ankündigte, verwies er darauf, dass der weltweite Stromverbrauch laut Prognosen von 15.000 Milliarden Kilowattstunden (kWh) im Jahr 1999 auf rund 23.000 Milliarden kWh im Jahre 2020 ansteigen werde. Der Strom werde zu 60% aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas erzeugt, die bei der Verbrennung Kohlendioxid (CO2) produzieren, das wiederum zu über 50% am Treibhauseffekt beteiligt sei. Der Anteil der Stromerzeugung an der Erwärmung der Erdatmosphäre betrage 30%, somit sei jede Maßnahme zum Stromsparen ein direkter Beitrag zum Klimaschutz und zum Schutz der zur Neige gehenden Rohstoffe. Um Strom zu sparen müsse man mit dem Strommessen anfangen, um herauszufinden, welches Gerät den nun der Stromfresser im Haushalt sei und demnächst auszutauschen sei.


 

Klimaschutz vordringlich

Prof. Dr. Hermann Mader aus Unterhaching lehrt an der Fachhochschule München Elektrotechnik und ist Sprecher des Arbeitskreises Energie der Agenda 21 in seinem Heimatort. In seinen einführenden Worten betonte der Wissenschaftler die Dringlichkeit des Klimaschutzes und sagte, dass es nun genügend und erdrückende Beweise aus allen Sparten der Wissenschaften gäbe, dass die offensichtliche Klimaveränderung von Menschenhand gemacht sei. Mit Hilfe einer anschaulichen Grafik zeigt er, dass die Entwicklung der Temperatur und des CO2 Gehaltes der Luft parallel verlaufe. Steigt der CO2 Gehalt in der Luft, erhöht sich auch entsprechend die Temperatur. Diese Schlußfolgerung wurde aus Messungen einer drei Kilometer tiefen Eisbohrung gewonnen, aus der die Entwicklung der letzten 160000 zurückverfolgt werden konnte. Allein in den letzten 50 Jahren sei der CO2 Gehalt der Luft um 20% gestiegen und die Erwärmung der Erde sei jedem aufmerksamen Beobachter offensichtlich. Ein Ansteigen der Durchschnitts-temperatur um nur 0,75 C° bedeute einen Anstieg des Meeresspiegels um 10 cm. Ein prognostizierter Anstieg der Durchschnittstemperatur um sieben Grad bedeute für viele Küstenländer den Untergang in den Meeresfluten.

Es sei also allerhöchste Zeit zum Handeln. Der CO2 Anstieg sei eindeutig auf die intensive Verbrennung von Kohle, Erdgas und Erdöl zurück zuführen, aus denen wiederum zu 60% die Stromerzeugung erfolge. Als weiteren Grund, der zum Energiesparen geradezu zwinge, betonte der Unterhachinger Umweltschützer, seien die begrenzten Vorräte an primären Energien. Erdöl reiche noch etwa 40 Jahre, das Erdgas 60 Jahre und die weltweiten Kohle Vorkommnisse seien nach 100 Jahren zu Ende. Dazu komme, dass der Energiehunger der Weltbevölkerung steige und in den letzten Jahren keine neuen Erdöl Lagerstätten gefunden wären. Die Erdölpreise seien bereits kräftig angestiegen.

Energisches Energiesparen ist nötig

Das Gebot der Stunde heiße sei also, den CO2 Ausstoß auf allen Ebenen drastisch zu reduzieren und dies sei am schnellsten durch energisches Energieeinsparen zu erreichen. Mit dem Spruch "Stromsparen macht Spaß und spart Geld" brachte der Münchener Professor seine umfassenden Ausführungen auf eine kurze griffige Formel. Strom werde zu 60% aus fossilen Energien und hierbei hauptsächlich aus der Verbrennung von Stein und Braunkohle erzeugt. Dabei gingen zwei drittel der Energie durch Umwandlungsprozesse verloren, nur ein drittel komme beim Verbraucher an. Ein Wirkungsgrad von 33% bedeute, dass bei jeder Kilowattstunde dreimal soviel Primarenergie verwendet werde und damit dementsprechend auch das klimaschädliche CO2 Gas entstehe.

 

Wie spart man Energie ?

Stromsparen und damit Energiesparen fange am besten mit einer Bestandsaufnahme an. Jeder verantwortungsbewußte Bürger sollte sich fragen, "welche elektrischen Geräte verwende ich in meinem Haushalt und wieviel Strom verbrauchen sie ?" Dies sei am besten durch Strommessen mit dem einfach zu bedienenden Energiekostenmessgerät EKM 265 zu erreichen. Aus dem Vergleich mit dem durchschnittlichen Haushaltsverbrauch ergebe sich ein oder mehrere Stromfresser. Dies führe zu Überlegungen über einen Austausch der meist veralteten Geräte oder über eine andere bzw. reduzierte Nutzung des Gerätes. Ein Strom- "Dauerlutscher" seien auf jeden Fall alle im Standby betriebenen Geräte. Allein durch die konsequente Abschaltung des Standby, indem man das Gerät nach der Nutzung komplett abschaltet, ließen sich in Deutschland ein bis zwei Kraftwerke und damit deren CO2 Produktion einsparen, wußte Prof. Mader aus Angaben der Energiewirtschaft zu berichten.

Nach einer konsequenten Reduzierung des Stromverbrauchs sei an eine Nutzung von solaren Energieformen wie Wärme aus Sonnenkollektoren und Strom aus Photovoltaik zu denken."Man kommt komplett mit Sonnenenergie aus" betonte Prof. Mader, denn die Sonne strahle ein Vielfaches des Bedarfs täglich und kostenlos auf die Erde nieder.

Wie man im Detail bei einzelnen elektrischen Geräten Strom sparen oder sie ersetzen kann, berichten wir einer nächsten Ausgabe dieser Zeitung. -schu-

 

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