| FREILASSING (schu). In der letzten Jahreshaupt-versammlung
in diesem Jahrtausend wurde fast der gesamte Vorstand mit dem langjährige
Kreisvorsitzende Erich Prechtl an der Spitze wieder gewählt.
Dieser will nun aufgrund der erfolgreichen Mitgliederwerbung im
vergangen Jahr auf gesicherter finanzieller Basis die neuen Herausforderungen
mit viel Elan angehen.
In seinem Jahresbericht prangerte Prechtl den Verfall der Werte
in dieser Gesellschaft an, in der Geld, Wohlstand und Freizeit immer
mehr in den Vordergrund rücken würden und die langfristigen
Anliegen der Bewahrung der Schöpfung und der Erhalt unserer
natürlichen Lebensgrundlagen immer weniger Beachtung fänden.
Zuversichtlich stimmte der Aufbau einer BN Kindergruppe in Freilassing,
denn eine solide Umwelterziehung müsse bei den Kleinsten anfangen.
Im angenehmen und mit viel Holz ausgestatteten Saal des Diakonie
Hauses der evangelischen Kirche in Freilassing begrüßte
Erich Prechtl Kommunalpolitiker, den Vertreter des Österreichischen
Naturschutzbundes aus Salzburg, Dr. Hannes Augustin und den Vertreter
des Deutschen Alpenvereins Albert Bauer. Bevor der langjährige
Kreisvorsitzende Erich Prechtl auf die Aktivitäten des vergangenen
Jahre einging, kritisierte er den zunehmenden Trend der materiellen
Orientierung in der Gesellschaft, der sich in steigendem Werteverfall
äußere. Dem Anhäufen von Wohlstand und Genuß
in der Freizeit werde in der öffentlichen Darstellung, in Werbung
und in TV einen immer höheren Stellenwert beigemessen, während
den längerfristigen Aufgaben wie die Sicherung der Lebensfähigkeit
der Erde und Erhaltung der natürlichen Ressourcen auch in entfernteren
Ländern immer weniger Raum für Aufmerksamkeit gegeben
werde.
In der aktuellen Situation der geschürten Zukunftsängste
falle es dem Naturschutz schwer, seiner Stimme Geltung zu verschaffen.
Den drohenden Verlust oder Absiedelung von Arbeitsplätzen versuche
manche Gemeinde durch vermehrte Ausweisung von neuen Gewerbegebieten
entgegenzutreten. Der Erfolg sei öfters gering, wie manche
einsamen Gewerbegebiete zeigen, der Landschaftsverbrauch jedoch
groß und von Dauer.
Zukunftsträchtige Euregio
Dagegen gehöre der Raum der Euregio Salzburg, Berchtesgadener
Land und Traunstein zu den vier zukunftsträchtigsten Regionen
Europas. Mit den Pfunden der "weichen Standortfaktoren",
wie Kultur, Ausbildung, Naherholung, weitgehend erhaltene Natur,
und keine Schwerindustrie solle man wuchern. "Sanfte Industrien"
seien an Land zu ziehen und bestehende Gewerbegebiete besser zu
nutzen oder aufgelassene Gewerbebereiche wieder zu aktivieren. Einmal
beschlossene Flächennutzungspläne sollten längerfristig
gelten und nicht nach aktuellen Bedürfnissen der Gemeinden
auf die Schnelle abgeändert werden können. Zudem gehöre
ein gemeinsamer Plan für die gesamte Euregio mit einem Freiraumkonzept
erstellt, um dem Wildwuchs eine Ende zu bereiten.
Renaturierung der Salzach
Den Bogen zu den Aktivitäten des vergangen Jahres fand der
engagierte Naturschützer in dem Dauerthema "Renaturierung
der Salzach", das durch Geschiebeprobleme und die Gefahr des
Sohleeinbruches, verursacht durch eine künstliche Flußbettverengung,
gekennzeichnet sei. Der Endbericht zum Rahmengutachten sei bald
zu erwarten. Der BN propagiere die schon 1986 dem Umweltministerium
vorgeschlagene Variante der Flußbettaufweitung, die gleichzeitig
die Flußsohle stabilisiere und das Geschiebeproblem verringere.
Der Redner monierte im gleichen Atemzug, daß die Saalach
als Zufluß zur Salzach rund 300 Tage im Jahr trocken liege.
Eine solche "Flußleiche" sei ökologisch nicht
tragbar und zugleich ein unschöner Anblick und dem Tourismus
Anliegen abträglich. Trotz Nutzung des Hauptwassers in einem
Kraftwerk könne durch eine geschickte Nutzung des Restwassers
der Fluß auf Dauer wiederbelebt und Fauna und Flora die Lebensgrundlage
zurückgegeben werden.
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Neue Mitglieder
Die erfolgreiche Mitgliederwerbung im vergangenen Sommer (wir
berichteten) habe den Mitgliederstand von etwa 600 auf über
1400 mehr als verdoppelt. Damit stehe der Bund Naturschutz in Bayern
auf einer soliden finanziellen Basis und sei neben Greenpeace der
einzige Umweltverband, der nicht auf staatliche Mittel angewiesen
sei und auch kein Sponsoring seitens der Wirtschaft betreibe. Dadurch
sei der Verband in seiner Meinungsäußerung frei und unabhängig
und könne als echter Anwalt der Natur auf die Öffentlichkeit
und die Regierungsebenen einwirken.
Agenda 21
Das im Jahre 1992 in Rio de Janeiro beschlossene Maßnahmenpaket
zur nachhaltigen, d.h. auf Dauer ausgerichteten Entwicklung der
Erde unter Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen
und sozialen Belangen sei nun auch in den bayerischen Kommunen angelangt.
Überall im Landkreis hätten sich nun Agenda 21 Arbeitskreise
gebildet oder seien im Entstehen begriffen, an denen sich Mitglieder
des BN rege beteiligten. Als konkrete Projekte seien bereits ein
Heckenpflanzprojekt in Bad Reichenhall und die Selbstvermarktung
der bäuerlichen Betriebe in die Tat umgesetzt bzw. ausgebaut
worden.
Lobend hob Erich Prechtl die aktive Mitarbeit seines Vorstandskollegen
Wolfgang Fieweger beim Projekt Chiemgau Solar hervor, die in Kooperation
mit der Sparkasse und örtlichen Handwerksbetrieben günstige
Sonnenkollektoren und Photovoltaik Anlagen für Häuslbauer
installierten. Es sei eine seiner Visionen, so Prechtl, wenn die
Solaranlage auf dem Haus das Vehikel eines bekannten Autoherstellers
vor dem Haus als Statussymbol ablösen würde.
Solarkocher und Solarlampen für Afrika
Zur Auflockerung des Abends zeigt Siegfried Popp von der Berufsschule
anschauliche Dias über seine Besuche in Tansania, wo er mit
Schülern seiner Klasse bis jetzt vier Werkstätten zum
Selbstbau von Solarkochern ausgestattet und eingerichtet habe. (Der
Solarkocher ist ein parabolischer Spiegel, der das Sonnenlicht,
das in Afrika bekanntlich reichlich vorhanden ist, in der Mitte
auf einen Kochtopf fokussiert, so daß die Nahrung oder das
Wasser darin bald zu kochen beginnen. Mit dieser einfachen, aber
effektiven Technik brauchen die afrikanischen Hausfrauen nicht weite
Fußmärsche zurücklegen und stundenlang das nötige
Feuerholz einsammeln. Zugleich wird damit die heimische Vegetation,
wie Büsche und Bäume geschont und der Versteppung und
Wüstenbildung entgegen gearbeitet.)
Eine während der Veranstaltung durchgeführte Sammlung
ergab eine Spende von 350 Mark, die "Mr. Solar" dankend
zur Finanzierung seiner vielfältigen Materialbeschaffungs-maßnahmen
entgegennahm. Als nächstes Produkt stellte Siegfried Popp eine
Solarlampe namens "Solux" vor, die tagsüber in der
Sonne aufgeladen werde und dann bis zu acht Stunden die afrikanische
Hütte erhelle und gleichzeitig ein kleines Radio betreiben
könne. Auch hierdurch werden natürliche Ressourcen geschont
und die Lebensqualität der Afrikaner erhöht.
Neuwahl
Unter der Leitung von Hubert Weiger ging die anschließende
Wahl des neuen und dann einstimmig gewählten Vorstandes (siehe
Foto) schnell über die Bühne, so daß sich die Mitglieder
am einladend zubereiteten Jausentisch des Freilassinger Bauerladens
stärken konnten. Wiedergewählt wurden Kreisvorsitzender
Erich Prechtl und sein Stellvertreter Wolfgang Fieweger, das Amt
des Schriftführers bekleidet Dr. Walter Joswig und Schatzmeisterin
ist Heidi Jersch.
Prechtl dankte der ausscheidenden Schriftführerin Helga Kerwagen
für ihre hervorragende Arbeit bei der Mitgliederzeitschrift
"Bundsprecht" und seiner Stellvertreterin Inke Kraus,
die sich nun verstärkt im der neu gegründeten Ortsgruppe
Laufen einbringen wolle. -schu-
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