Freilassinger Anzeiger vom 17. Juni 2000
Sonnenstrom vom Hoteldach in Reichenhalls Kurzone
Hotelier Willi Bachmann und seine Frau wollen ihren Kindern keine kaputte, zerstörte und verschmutze Umwelt hinterlassen.

Bad Reichenhall (schu) Die Kurstadt ist um eine Attraktion und Juwel reicher. Bayerns größte Solaranlage auf einem Hoteldach befindet sich nun in Reichenhall mitten im idyllischen Kurbereich und liefert Tag für Tag vom Hotel Hansi sauberen Sonnenstrom. Passend zum Tag der Umwelt weihte der Initiator und Besitzer Willi Bachmann seine nach einigen Schwierigkeiten installierte Photovoltaik Anlage ein und feierte diese mit seiner Familie, seinen Freunden und Nachbarn. Er warnte humorvoll vor dem ansteckenden Solar-Virus, der einen jedoch gesund und fröhlich mache. Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier beglückwünschte seinen aktiven Bürger für diese Leistung und die Pfarrer beider Amtskirchen gaben ihren kirchlichen Segen und wünschten viele Sonnentage.

Schöner hätte das Wetter für diesen Festtag nicht sein können. Bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen hatte der Hotelier und Umweltschützer Willi Bachmann zur Einweihung seiner Solarstromanlage eingeladen. Zur Begrüßung konnte er eine lange Reihe bekannter Namen verlesen, die es für wichtig genug hielten, diese in ihrer Form erste und wohl nicht letzte Veranstaltung gelebten Klimaschutzes mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Auf die gelungene Verbindung von Tourismus und Umweltschutz eingehend, konnte Will Bachmann in seine Begrüßungsrede von bereits zwei Festbuchungen bis ins Jahr 2001 und weiteren Anfragen bezüglich der Umsetzung von Solartechnik und Umweltschutz in seinem Hotelbetrieb berichten, und dies nach erst drei Wochen Bestehen der Solaranlage. Ein anwesendes amerikanisches Ehepaar aus dem mittleren Westen hatten das Hotel Hansi im Internet gefunden und kommt nun jedes Jahr zu Besuch ins Umwelthotel nach Oberbayern. Immer mehr Gäste fragten nach den Umweltstandards und wollten ihre Wahl des Hotels und der Region danach ausrichten, inwieweit sie den Umweltansprüchen gerecht würden, wußte Willi Bachmann aus einer Umfrage zu berichten. Er wolle den Hightech Standort Bayern auch in Reichenhall verwirklichen und mit seiner Sonnenstromanlage, die mit 40 Quadratmetern und 5,6 KWp knapp ein Drittel seines Strombedarfes decken könne, ein weithin sichtbares Zeichen setzen, dass Klimaschutz und Gastronomie eine erfolgreiche Symbiose eingehen können, die sich positiv auf das Wohlbefinden der Gäste und vielfältige Anfragen hohe Buchungszahlen auswirkten. Das neue Gesetz "zum Vorrang für erneuerbare Energien" (EEG) und das "100.000 Dächer" Förderprogramm habe ihm den finanziellen Aspekt der Solaranlage erleichtert. Jedoch müsse der ganze Betrieb und seine Mitarbeiter hinter der Idee des umweltverträgliches Betriebes stehen, darüber informiert sein und das umweltorientierte Prinzip mit Leben füllen.

Umweltschutz schafft Arbeitsplätze

Solaranlage auf das Rathaus und Kurgastzentrum

Die Ausdehnung des Klimaschutz Gedankens im Hotelwesen bringe nicht nur erhöhte Gästezahlen ,sondern wirke sich auch positiv auf die heimischen Handwerkerschaft durch vermehrte Aufträge und bringe den Geschäftsleuten mehr Kunden. Sie "bietet einer gesunden Kurstadt Bad Reichenhall eine bessere und blühende Zukunft" beschwor der Hotelier die anwesenden Entscheidungsträger, nun mit auf den fahrenden Zug des Solarbooms aufzusteigen. Ganz direkt sprach er damit den Oberbürgermeister Heitmeier als Hausherren des neuen Rathauses und den Kurdirektor Thorsten Wille als Leiter des Kurgastzentrums mit unbeschattetem und optimal nach Süden ausgerichteten Dach an. Diese Institutionen würden dadurch mit gutem Beispiel vorangehen. Über eine Bürgerbeteiligung ließe sich die gesamte Bevölkerung in den aktiven Umweltschutz einbinden und die zukünftigen Anlagen als "ihre Anlage in ihrer Stadt" ansehen lassen. Auch biblische Bezugspunkte durften bei diesem Engagement nicht fehlen. Willi Bachmann erwies sich als bibelfest und zitierte aus Markus 1,13, dass Frieden auf Erden nur möglich sei, wenn wir auch Frieden mit der Natur schließen würden. Wir alle hätten die ethische Pflicht, zum Erhalt der göttlichen Schöpfung beizutragen, diese zu schützen und zu bewahren. Seinen Humor stellt der Umweltfreund und Gastronom unter Beweis, als er alle Anwesenden vor dem neuartigem Solar-Virus warnte. Ihn habe dieser vor einigen Jahren befallen und nicht wieder losgelassen. Es sei begeisternd zu sehen, dass aus Nichts (Licht) etwas Wertvolles (Strom) entstehe, für das man auch noch gutes Geld bekomme, selber aber keine Rechnung an die Sonne bezahlen müsse. Seit dieser "Ansteckung" fühle er sich gesund und munter und hoch motiviert, weitere Umweltaspekte in seinen Betrieb einzubringen und andere von der solaren Idee zu begeistern.

Auch Wolfgang Heitmeier als oberster Bürger der Kurstadt wies auf die enormen wirtschaftlichen Aspekte der solaren Installationen hin, sei es zur Wärmegewinnung oder Strom Erzeugung. Es müsse gelingen, Errungenschaften wie die Photvoltaik (Strom aus Licht) mit der günstigen Einspeisevergütung von 99Pfennig pro solar gewonnener kWh beim Bürger beliebt zu machen, so dass alle am gemeinsamen Strang ziehen und das Projekt durch die Gemeinschaft der Bürger bezahlbar werde. Stromkraftwerke auf dem Dach der Reichenhaller Häuser sollen Erfolg bringen und seien ein sicherer Werbeeffekt und ein Gewinn für die Kurstadt und das Staatsbad.

Strom aus der Steckdose soll von der Sonne kommen

Der Landesvorsitzende der Grünen in Bayern Jerzy Montag meinte, dass seine Partei schon von Anfang an auf die Kraft der Sonne gesetzt habe, dies sei auch an der Sonnenblume als Parteisymbol ersichtlich. Die große Nachfrage nach Solarzellen in Deutschland könne in wenigen Monaten die weltweite Produktion aufsaugen. Er gratulierte dem Hausherren zu der gelungenen Anlage und lobte ihn als Pionier, der sich Gedanken über die Herkunft des Stromes gemacht habe, der nur vordergründig aus der Steckdose komme. In Bayern werde die dahinter liegende Quelle immer mehr aus regenerativen Energien gespeist. Zur wirtschaftlichen Seite der Stromgewinnung meinte der Grüne Politiker, dass der Markt die Energieproduktion und den Preis regeln solle, denn jeder Bürger wolle billigen Strom. Nur müsse dieser Preis gerecht sein und die gesamten Kosten und Risiken der Strom Erzeugung darstellen. Das nicht abschätzbare Risiko eines Atomunfalls werde genauso versichert wie 500 PKWs, dabei seien die Kosten der Endlagerung und des Transportes von Atommüll auch noch nicht in den Strompreis eingerechnet, sondern werde von der Gemeinschaft der Steuerzahler beglichen. Er begrüße ausdrücklich die Anschubfinanzierung von 99 Pfennige Einspeisevergütung pro kWh und wünsche sich viele Nachahmer von Willi Bachmann, und nicht nur unter Privatleuten ,sondern auch bei öffentlichen Gebäuden. Der Umschwung zu sauberen Energieformen müsse gelingen, denn "wir sollen die Erde für unsere Kinder so hinterlassen, wie wir sie selber gerne hätten".

Der Vorsitzendes des bayerischen Hotel und Gaststättenverbandes in Reichenhall Johannes Hofmann kennt Willi Bachmann schon seit langem als Ummweltpionier, deshalb sei ihm auch 1998 das Umweltsiegel in Gold verliehen worden. Als Umweltpapst aus der Stadt Bad Reichenhall sei sein Kollege Willi nun verpflichtet, seine Hotelkollegen in Umweltdingen als Berater zur Seite zu stehen.
Stolz auf das Mitglied als Pionier für regenerative Energien war der Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz Wolf-Dieter Rausch. Fortschritt brauche Veränderung, die sei in Piding und Bad Reichenhall ersichtlich, die anderen beiden Gemeinden im Zuständigkeitsbereich des Ortsverbandes Bayerisch Gmain und Schneizelreuth wiesen Nachholbedarf auf. Stadtrat Bruno Rettelbach als Umweltreferent zitierte den Bundespräsidenten, der eine Ruck durch Deutschland verlange, also müsse auch ein Rück durch Bad Reichenhall gehen in Richtung einer ökologischen orientierten Zukunft. Deutschland habe genügend Sonnenenergie, die energiepolitsche Wende werde durch Aktionen wie die Solarstrom Anlage von Willi Bachmann Stück für Stück in die Tat umgesetzt.

Beim Segen für die Anlage durch ein gemeinsam verlesenes Gebet von Geistlicher Rat Josef Otter und Pfarrer Beck, wurde statt wie üblich um Regen, jetzt im aktuellen Falle um viel Sonne gebeten. Man müsse von der Natur nehmen, ohne ihr zu schaden, dies sei in dieser Solaranlage beispielhaft umgesetzt, meinten die Pfarrer. Nach den vielen Reden sei nun etwas Handfestes angebracht, meinte Willi Bachmann, deshalb lade er und seine Frau alle Gäste nun zu einem wohlschmeckenden und umfangreichen Imbiß ein.

Foto 1: die größte Solaranlage auf einem Hoteldach in Bayern wurde trotz ungünstiger Architektur harmonisch in das Dach eingegliedert und produziert täglich sauberen Sonnenstrom Foto2: Gäste der solaren Eiweihungsveranstaltung beim regen Gedankenaustausch. Foto3. Für Ihre drei Kinder wollen Willi und Maria Bachmann eine heile, intakte und saubere Umwelt hinterlassen.
Fotos: Hermann Schubotz
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