Pressemiteilung vom 06.06.1998
Der Funke springt über, Aktion Chiemgau - Solar gestartet

Bad Reichenhall: Standesgemäß herrschte strahlender Sonnenschein bei der Auftakt-veranstaltung der Energieinitiative Chiemgau - Solar in der Kurstadt. Eine umfangreiche Ausstellung von Sonnenkollektoren wurde dem Besucher vor der Alten Saline geboten. Reichlich Informationsmaterialien zur Solarenergie stellten die Umweltgruppen zur Verfügung und wurden hierbei von einem umfangreichen Bücherangebot der Freilassinger Buchhandlung Kettel unterstützt.

Das Landratsamt informierte über aktuelle Zuschußmöglichkeiten der öffentlichen Hand. Radio Untersberg und ein Jongleurpaar sorgten mit spannender Unterhaltung für Kurzweil. Reichenhalls Bürgerbräu sowie das Künstlercafe bewirteten die Gäste fürsorglich und spendeten den Erlös dem Tansania Solar - Projekt, der ebenfalls anwesenden Freilassinger Berufsschule.

Chiemgau-Solar, ein Bündnis bestehend aus den beiden Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein, der Kreishandwerkerschaft, der Innungen Elektro, Heizung und Sanitär, sowie der Sparkasse, dem Forum Ökologie Traunstein und den Bund Naturschutz Kreisgruppen beider Landkreise hat diesen Solartag organisiert. Ziel sei es, so Kreishandwerks-meister Rudolf Wagner, der Sonnenkraft zum Durchbruch zu verhelfen und die heimische Wirtschaft in der Region zu beleben. Er verwies hierbei auf den Landkreis Passau, in dem bei einer ähnlichen Aktion 15 Millionen Mark Auftragsvolumen entstand.

Mit den von der Aktion Chiemgau - Solar angebotenen vier hochwertigen Solarangebotspaketen zu verbindlichen Festpreisen könne man, so Wagner, ein Drittel der jährlichen Öl - bzw. Stromkosten eines 3 - 4 Personen - Haushaltes sparen. Wagner ging abschließend bei einer Kosten - Nutzen Betrachtung davon aus, daß Hauseigentümer und auch Wohnungs-gemeinschaften sich derartige Zusatzheizungen und Kleinkraftwerke leisten sollten.

Wenn man in Relation dazu den Dividenden - Ertrag für das vergleichbar eingesetzte Kapital bei einigen Energieversorgern und einem in etwa gleich großen Ertrag durch eine eigene Energiegewinnungsanlage vergleiche, spräche neben Umweltentlastungen vieles für diese dezentralen Energiegewinnungsanlagen direkt aus der Sonne.

Kurbetriebe profitieren von der Sonnennutzung

Schirmherr Landrat Martin Seidl unterstrich die Notwendigkeit des Energieeinsparens. Der „Rest der Energie muß mit möglichst wenig Dreck“ erzeugt werden, da der Landkreis mit seinen vielen Kurbetrieben von der guten Luft profitiere, so der Schirmherr. Er dankte allen, die diese Aktion ermöglicht hätten und unterstrich auch die wichtige Rolle der Presse hierfür.

Bürgermeister Rudolf Schamberger als stell-vertretender Hausherr betonte, daß vor allem Bad Reichenhall sich bemühe, selbst auf denkmalgeschützten Gebäuden der Ökologie Vorrang einzuräumen. Der Kurort sei darauf angewiesen, dass sich die Schadstoffbelastung verringere. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach könnte seiner Meinung ebenso zum Statussymbol werden wie das Auto vor der Haustür.

Stefan Follmer, Innungsmeister der Sanitär- und Heizungsbetriebe, überreichte dem Schirm- und Hausherren handgefertigte „Chiemgau - Solar“ Aktionskrawatten verbunden mit der Hoffnung, daß durch diese Gemeinschaftsaktion viele Arbeitsplätze geschaffen werden.

Erich Prechtl, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, erinnerte an die wichtigste Aufgabe des Naturschutzes, ein „klares Umweltbewußtsein“ zu schaffen. Aus diesem Grunde wolle er heute vor allem den Vertretern der Schulen für ihr Kommen danken, da sie in diesem Sinne eine tragende Rolle bei der Erziehung der Jugend spielen. Solarenergie und Photovoltaik betrachte er als einen zukunftsweisenden Weg der Klima - Problematik Herr zu werden.

Mit Sonnenenergie in die Zukunft

Als Energiepolitischer Sprecher des Forums Ökologie betonte Peter Rubeck, daß die beiden Landkreise mit einem 200 mal größeren Sonnenstrahlungsangebot verwöhnt seien, als an Endenergie benötigt werde. Beide Landkreise verfügen auf 64.000 Gebäuden über genügend Dachflächen, um der Sonnennutzung zum Durchbruch zu verhelfen. Die bisherige Umweltleistung der bestehenden 2.000 Kollektoranlagen in den Landkreisen könne sich seiner Meinung nach sehen lassen. Immerhin würden durch diese pro Jahr 8.000 Tonnen Kohlendioxid CO2 eingespart, was einem Heizölverbrauch von 65 Tanklastzügen zu je 10.000 Liter entspräche.

Er wünsche sich, daß der Solarfunke voll vom Landkreis Traunstein auf das Berchtesgadener Land und auf dessen Bürger überspringe. Mit Chiemgau Solar könne jeder Bürger den Grundstein für seine persönliche Energiewende legen. Er wünsche sich auch dringend, daß die Energieversorger der beiden Landkreise sowie die Stadt Bad Reichenhall ihre abwehrende Haltung für eine kostendeckende Vergütung von Sonnenstrom aufgeben werden. Für ihn stehe fest, daß mit einer kostendeckenden Vergütung vor allem private Investoren ihr Geld für diese Technologie bereitstellen. Profitieren würde neben der Umwelt vor allem die mittelständischen Betriebe in der Region.


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