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Hochwasservorsorge wird auf Deichbau reduziert. Reformierte
Wasserstraßenverwaltung könnte ökologischen Hochwasserschutz
umsetzen
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
hat anlässlich des Oder-Hochwassers die Reformierung der Bundeswasserstraßenverwaltung
gefordert. Während in der Verwaltung der Wasserstraßen
auf jeden einzelnen Binnenschiffer mehrere Behördenangestellte
kämen, scheitere der ökologische Hochwasserschutz am fehlenden
Personal und an mangelnder Finanzierung. Eine reformierte Wasserstraßenverwaltung
müsse die von ihr bisher verbauten Flüsse wieder in einen
naturnahen Zustand versetzen und umweltgerechte Strategien zur Hochwasservorsorge
entwickeln.
Erforderlich seien außerdem Konzepte zur Beherrschung der
wegen der Klimaerwärmung auftretenden extremen Hoch- und Niedrigwasserstände
der Flüsse. Im Osten Deutschlands gelte dies vor allem an Oder
und Elbe. Im Einzugsgebiet der Flüsse müssten natürliche
Wasserspeicher wie Auen, Moore und Nasswiesen renaturiert werden.
Deren Wirkung ähnele der von riesigen Schwämmen, die überschüssiges
Regenwasser aufsaugen und speichern könnten.
Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: "Hochwasserschutz darf
nicht auf den Deichbau verengt werden. Auch beim Oder-Hochwasser
reden Behördenvertreter und Politiker wieder fast ausnahmslos
darüber, ob die Deiche halten oder nicht. Absurderweise beklagen
manche sogar, dass in Polen nicht mehr Deiche gebrochen sind, damit
sich die Hochwassergefahr für Deutschland verringert. Kaum
jemand spricht über die Notwendigkeit, im Einzugsbereich der
Flüsse den ursprünglichen natürlichen Zustand wiederherzustellen
und mehr Überschwemmungsflächen zu schaffen."
Zwar habe die rot-grüne Bundesregierung nach der Elbe-Flut
von 2002 ein 5-Punkte-Programm zur Hochwasserbekämpfung vorgelegt
und ein Hochwasserschutzgesetz erlassen. In der Realität sei
davon jedoch nur wenig umgesetzt worden. Nach wie vor fehle ein
generelles Bau- und Ackerverbot in potentiellen Überschwemmungsgebieten.
Auch das Vorhaben, den Flüssen mehr Raum zu geben, sei weitgehend
gescheitert.
Sebastian Schönauer, BUND-Experte für Hochwasserschutz:
"Entweder wir lernen aus der aktuellen Oder-Flut, dass die
Flüsse in einen möglichst natürlichen Zustand gebracht
werden müssen oder das nächste Hochwasser wird wieder
Menschenleben fordern und enorme Sachschäden anrichten. Es
darf nicht sein, dass regionale Nutzungsinteressen Vorrang haben
vor dem Schutz von Menschenleben. Deichbauten und andere technische
Maßnahmen zur Abwehr des Hochwassers wiegen die Anwohner in
einer fragwürdigen Sicherheit. Es bleibt die ständige
Gefahr von Deichbrüchen und Überflutungen. Ein wirklicher
Schutz wird nur mit Konzepten des ökologischen Hochwasserschutzes
zu erreichen sein."
Pressekontakt: Sebastian Schönauer, Hochwasser-Experte des
BUND, Tel.
06094-984022; Mobil: 0160-90736984 bzw. Rüdiger Rosenthal,
BUND-Pressesprecher, Tel.
030-27586-425/-489, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net
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