| Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Infobrief 08/10
Inhalt:
• Koalition hält an radikalen Kürzungen bei der
Photovoltaik fest
• Energiekoordinator der Unionsfraktion stellt EEG in Frage
• Förderstopp für Sonnenkollektoren und Holzpelletanlagen
immer wahrscheinlicher
• Wind- und Solarstrom graben Atomkraftwerken das Wasser ab
- ISUSI-Untersuchung
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Koalition hält an radikalen Kürzungen bei der Photovoltaik
fest
Die schlimmsten Befürchtungen zur Photovoltaik-Vergütung
haben sich bewahrheitet. Die Regierungsfraktionen ziehen die radikalen
Kürzungen durch. In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben
die beiden Regierungsfraktionen Union und FDP Ihre Einigung vorgestellt:
http://www.cducsu.de/Titel__pressemitteilung_koalition_einigt_sich_auf_reform_der_solarfoerderung/
TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__15488/Inhalte.aspx
Es bleibt bei den Kürzungen in Höhe von 16% für Dachanlagen
und 11 bzw. 15% bei Freiflächenanlagen. Für Freiflächenanlagen
auf Ackerland wird sogar überhaupt keine Vergütung mehr
bezahlt. Kleine Korrekturen gab es noch bei Fristen, der Eigenverbrauchsregelung
sowie der Höhe der automatischen Degressionsanpassung. So soll
der Eigenverbrauchsbonus künftig an einem Mindesteigenverbrauch
gebunden sein. Die Regierungsfraktionen haben ein Bürokratieförderprogramm
entwickelt. Zukünftig dürfen die Energieversorger regelmäßig
nachschauen, ob der Eigenverbrauchsanteil die 30-Prozent-Marke erreicht
hat oder nicht. Welcher Anlagenbetreiber soll sich diesen bürokratischen
Aufwand mit ungewissem Ergebnis antun?
Politisch bemerkenswert ist, dass sich der bayrische Ministerpräsident
Horst Seehofer und dessen Umweltminister Markus Söder in keinem
Punkt durchsetzen konnten – nicht einmal in der eigenen CSU,
die bis zuletzt bei den Verhandlungen in Berlin auf den radikalen
Kürzungen der Solarstromvergütung und auf der Streichung
der Ackerflächen beharrte.
Weitere Details sind der genannten Pressemitteilung (Link oben)
zu entnehmen.
CDU/CSU und FDP stellen damit die Zukunft der deutschen Photovoltaik-Wirtschaft
in Frage. Die vielfältig eingegangenen Stellungnahmen und guten
Argumente sind restlos verpufft. Es wird sich zeigen, welche Unternehmen
überleben werden und welche nicht.
Am Mittwoch, den 5. Mai wird der federführende Umweltausschuss
des Deutschen Bundestages das Gesetz beschließen. Am Donnerstag,
den 6. Mai wird das Plenum des Deutschen Bundestages das Gesetz
in abschließender Lesung verabschieden. Das Gesetz ist nicht
Zustimmungspflichtig. Der Bundesrat könnte allerdings Einspruch
einlegen, was nach einer Wahlniederlage von Schwarz-Gelb in NRW
möglich wäre.
Energiekoordinator der Unionsfraktion stellt EEG in Frage
Der energiepolitische Koordinator der Unionsfraktion hat heute in
einer Pressemitteilung den Fortbestand des EEGs indirekt in Frage
gestellt. Er unterstützte die Forderung des Verbandes der Energiekonzerne,
den BDEW, nach einer Harmonisierung der Erneuerbare-Energien-Förderung
auf EU-Ebene, damit zukünftig Wind- und Solarstrom möglichst
in anderen Ländern als in Deutschland erzeugt wird. „Harmonisierung“
war immer der weichgekochte Kampfbegriff der EEG-Gegner und der
EU-Kommission, die das deutsche EEG durch ein europaweites Quoten
und/oder Zertifikatshandelssystem ablösen wollten.
Thomas Bareiß MdB ist der erste Politiker der Union, der sich
als Mitglied einer Regierungsfraktion für einen Ersatz des
EEGs durch eine europäische Förderregelung ausspricht.
Dies ist doppelt bedenklich. Thomas Bareiß MdB hat zum einen
eine zentrale Rolle in der energiepolitischen Ausrichtung der Unionsfraktion.
Zum anderen kommt Thomas Bareiß MdB aus Baden-Württemberg
und damit aus dem gleichen Land wie der Energie-Kommissar der EU-Kommission
Oettinger. Es steht zu befürchten, dass der Vorstoß von
Bareiß MdB mit seinem Parteifreund Oettinger abgestimmt war
und die EU-Kommission bereits daran arbeitet, einen erneuten Angriff
gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland und vergleichbare
Regelungen in anderen Ländern zu starten.
Der BDEW (Bundesverband der Deutschen Energie und Wasserwirtschaft)
hatte eigens vom EWI eine Studie erstellen lassen, die den Startschuss
für eine neue Harmonisierungs-Diskussion geben soll. Hauptgeschäftsführerin
des BDEW ist Hildegard Müller und die wiederum war zuvor Büroleiterin
der Bundeskanzlerin. Sollte der Vorstoß gegen das EEG auch
noch mit der Bundeskanzlerin abgestimmt sein, ist der Fortbestand
des EEGs ernsthaft gefährdet.
Link zur Pressemitteilung des Unionsabgeordneten und energiepolitischen
Koordinators Thomas Bareiß MdB:
http://www.cducsu.de/Titel__pressemitteilung_ausbau_erneuerbarer_energien_technische_und_politische_herausforderung/
TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__15491/Inhalte.aspx
Link zur Pressemitteilung des BDEW:
http://www.bdew.de/bdew.nsf/id/DE_20100423_PM_Strategiewechsel_in_der_Erneuerbaren-Foerderung?open&l=DE&ccm=250010
Förderstopp für Sonnenkollektoren und Holzpelletanlagen
immer wahrscheinlicher
Wie befürchtet, haben die Regierungsfraktionen auch in dieser
Sitzungswoche die Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm
für Erneuerbare Energie nicht aufgehoben. 115 Millionen Euro
sind damit weiterhin in der Schwebe. Sollte es nicht gelingen, den
Förderstopp noch vor der NRW-Wahl aufzuheben, steht zu befürchten,
dass die Sperre bleibt und die Förderung eingestellt werden
muss. Wir hoffen, dass die Regierungsfraktionen sich wenige Tage
vor der NRW-Wahl der Vernunft nicht weiter verweigern können
und werden daher am 6. Mai im Haushaltsausschuss einen Antrag zur
Aufhebung der Sperre zur Abstimmung stellen.
Es ist ein Witz, dass die Bundesregierung diese Woche neue Fördermittel
für die Photovoltaikforschung in Aussicht gestellt hat, aber
nicht sagt, wo das Geld herkommen soll – und zugleich vorhandene
Fördermittel für Erneuerbare Energien weiter sperren lässt.
Wind- und Solarstrom graben Atomkraftwerken das Wasser ab - ISUSI-Untersuchung
Arbeitet die Bundesregierung klammheimlich an Laufzeitverlängerungsplänen,
die die Atomreaktoren bis weit in die zweite Hälfte dieses
Jahrhunderts am Netz lassen? Dieser Frage bin ich nachgegangen.
Da die Bundesregierung wie erwartet sich auf meine Anfrage um eine
Antwort gedrückt hat, habe ich das Institut ISUSI diese Fragestellung
simulieren lassen. Spiegel-Online hatte heute morgen umfassend darüber
berichtet. Folgend finden Sie weitere Hintergrundinformationen zu
der Untersuchung. Anfang nächster Woche werde ich dazu weitere
Dokumente auf meine Homepage stellen:
Hintergrundinformation:
Der Ausbau der Windenergie und der Solarenergie gehen in Deutschland
deutlich schneller voran als bis vor kurzem in Studien angenommen.
Wind- und Solarstrom haben Vorrang im Netz und führen immer
öfters dazu, dass andere Stromerzeugungskapazitäten heruntergefahren
werden müssen.
Die Bundesregierung hat in ihrem Kabinettsbeschluss für die
aktuelle Gesetzesnovelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz auf die
jüngsten Entwicklungen reagiert und neue Ausbauziele für
die Photovoltaik festgelegt. Mit der aktuellen Gesetzgebungsnovelle
des Erneuerbare-Energien-Gesetzes versucht die Regierung zu erreichen,
dass diese Ziele nicht deutlich überschritten werden.
Für 2020 wird ein Gesamtziel von 42 GW festgelegt. Für
2030 gibt es ein Zubauziel in Höhe von 65 GW, dem die bislang
installierten 10 GW hinzu gerechnet werden müssen. 75 GW Solarstromleistung
bedeutet, dass an sonnenreichen Tagen die gesamte Stromnachfrage
(Last) durch Solarstrom abgedeckt wird und sämtliche anderen
Kraftwerke abgeschaltet werden müssten. An Tagen mit weniger
Sonne und mittleren Windverhältnissen decken Wind- und Solarstrom
die gesamte Last; an windreichen Tagen dürfte in Zukunft die
Lastabdeckung alleine über den Wind erfolgen.
Als Folge werden Kraftwerke, die heute rund um die Uhr laufen, in
Zukunft ständig rauf und runtergefahren werden müssen.
Bei der Untersuchung wurde die Frage, ob Atomkraftwerke dies überhaupt
können, nicht näher betrachtet. Hier gibt es große
Fragen bzgl. der Sicherheit. So erscheint es kaum denkbar und verantwortbar,
dass Atomkraftwerke ständig je nach Wetterlage rauf und runtergefahren
werden.
Untersucht wurde hingegen, wie sich der Lastfolgebetrieb von Atomkraftwerken
auf die Laufzeiten der Atomkraftwerke auswirken wird. Das Ergebnis
ist, dass je länger die Laufzeiten verlängert werden,
desto geringer wird die Zahl der jährlichen Nutzungsstunden.
Diese würde im Falle von Laufzeitverlängerungen von Jahr
zu Jahr deutlich zurück gehen. Eine Angabe von 28 Jahren Laufzeitverlängerung
auf Basis aktueller Jahresvolllaststunden (ca. 8000) dürfte
in der Realität zur Folge haben, dass Atomkraftwerke bis weit
in die zweite Hälfte des Jahrhunderts laufen, bevor ihre Reststrommengen
abgetragen sind. Dies wird sehr gut von der Verlaufsgrafik von ISUSI
dargestellt, obwohl ISUSI zugunsten der Atomkraftwerke noch angenommen
hatten, dass diese jeweils als Letzte runtergefahren werden, wenn
gerade die Sonne scheint und/oder der Wind weht, obwohl dies in
der Realität nicht immer der Fall wäre.
Wie wir erwartet hatten, hatte sich die Bundesregierung um eine
Antwort gedrückt, ob sie zukünftig die Reststrommengen
auf den alten Annahmen für Nutzungsstunden basieren lässt
oder diese anpasst. Einige Indizien weißen darauf hin, dass
sie mit den alten Zahlen weiterrechnet. Vor der NRW-Wahl ist aber
nicht damit zu rechnen, dass sie die Parameter für die Berechnung
ihrer Energieszenarien bekannt geben wird. Der Zwischenbericht ist
für die Woche nach der NRW-Wahl vorgesehen.
Untersucht wurde auch nicht, ob zu einem bestimmten Jahr überhaupt
noch Atomstrom benötigt würde, um die Last abzudecken.
Die Restlast könnte auch über andere Energien –
vor allem Erneuerbare Energien (wie Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft)
– abgedeckt werden, von Desertec ganz zu schweigen. Zudem
könnten Energiespeicher für Solar- und Windstromüberschüsse
genutzt werden. Atomstrom wird zur Lastabdeckung jedenfalls schon
in wenigen Jahren nicht mehr erforderlich sein. Es wäre also
grundfalsc,h aus der Studie abzuleiten, dass es erforderlich wäre,
Laufzeiten zu verlängern, um zukünftig noch Restlasten
abzudecken.
Betont werden sollte auch, dass es sich bei den Simulationen nicht
um ein grünes Energieszenario handelt. Wir gehen von optimistischeren
Annahmen für den Ausbau Erneuerbarer Energien aus. Ziel der
Grünen ist sogar eine vollständige Stromversorgung mit
Erneuerbaren Energien bis 2030. Die Basis waren vielmehr alte und
neue Annahmen vor allem der Bundesregierung und des Bundesumweltministeriums,
die wir eher für zu konservativ halten. Die Grundbasis der
ISUSI-Untersuchung war der für das BMU von ISUSI et. al erstellte-
Zwischenbericht "Struktur und Dynamik einer Stromversorgung
mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energieerzeuger - Energiestudie":
http://www.bmu.de/erneuerbare_energien/downloads/doc/45057.php
Link zum Artikel von Spiegel-Online
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,690440,00.html
Berlin, den 23.04.2010
Ihr Hans-Josef Fell MdB
Sprecher für Energie- und Technologiepolitik der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/ Die Grünen
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon: 030 - 227 72 158, Fax: 030 - 227 76 369
http://www.hans-josef-fell.de, Bei mir werden Erneuerbare Energien
groß geschrieben!
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