| Pressemitteilung vom 12. April 2010
Straßeninvestitionen neu ausrichten: BUND fordert Streichung
nicht finanzierbarer und unsinniger Fernstraßenprojekte im
Umfang von 30 Milliarden Euro
Berlin: Die grundlegende Überarbeitung der Planungen neuer
Bundesfernstraßen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) auf einer Pressekonferenz in Berlin gefordert.
Der Umweltverband veröffentlichte eine „Streichliste
unsinniger Verkehrsprojekte“, die Vorhaben im Umfang von 30
Milliarden Euro aufzählt. Dabei handele es sich um Projekte
wie Autobahnabschnitte und Ortsumfahrungen, für die jede Notwendigkeit
fehle und die mit besonders schweren ökologischen Eingriffen
verbunden seien. Der Umweltverband forderte stattdessen eine Erhöhung
der Investitionen in den bisher völlig unterfinanzierten Straßenerhalt
um mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr sowie 800 Millionen Euro
pro Jahr für den Ausbau des Schienengüterverkehrs. Die
Transportkapazitäten der Bahn ließen sich vor allem im
Hinterlandverkehr der Seehäfen mit vergleichsweise geringen
Investitionen entscheidend erhöhen.
Die „Streichliste“ des BUND beinhaltet rund 2500 Straßenkilometer
mit einem Finanzvolumen von 12,5 Milliarden Euro. Geplante Projekte
im Umfang von 10 Milliarden Euro seien auch vom Bundesverkehrsministerium
mit einem „sehr hohen Umweltrisiko“ eingestuft worden.
Dazu gehört beispielsweise die geplante Autobahn A 14 von Magdeburg
nach Schwerin, für die ein Verkehrsaufkommen von lediglich
13000 Kraftfahrzeugen pro Tag prognostiziert und Kosten von rund
1,4 Milliarden Euro veranschlagt werden. Nach Berechnungen des BUND
könnte der Ausbau der vorhandenen Bundesstraßen B 189
und B 5 etwa 500 Millionen Euro sparen. Weitere Straßenbauvorhaben
mit Kosten von 15 Milliarden Euro aus dem sogenannten „weiteren
Bedarf“ seien ebenfalls überflüssig. Und da nur
jede vierte neugeplante Ortsumfahrung tatsächlich zu einer
ausreichenden Entlastung der Ortskerne beitrage, forderte der Umweltverband
außerdem die Streichung von Ortsumfahrungen im Umfang von
2,5 Milliarden Euro.
Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „In Deutschland wächst
die Staatsverschuldung von Jahr zu Jahr. Und zugleich will die Bundesregierung
30 Milliarden Euro für umweltschädliche und unnütze
Straßenneubauten verschleudern. Wie seine Vorgänger unternimmt
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bisher nichts, um die Prioritäten
in der Verkehrswegeplanung neu zu ordnen. Das Wünsch-Dir-Was
für Lokalpolitiker und die Bau- und Autolobby wird fortgesetzt.
Straßenbau-Prestigeprojekte, für die jeder verkehrliche
Bedarf fehlt, werden in unschöner Regelmäßigkeit
mit Spatenstichen gestartet und mit dem Durchtrennen roter Bänder
eingeweiht. Und obwohl sie die Ortskerne nicht entlasten, wurden
rund 600 Ortsumfahrungen an die Wahlkreise quasi verschenkt. Gleichzeitig
verkommt das vorhandene Straßennetz, weil zu wenig in den
Erhalt investiert wird. Eine verantwortungsvolle Verkehrspolitik
sieht anders aus.“
Wenn Bundesverkehrsminister Ramsauer den Straßenbedarfsplan
wie angekündigt in Kürze überarbeiten lasse, müssten
Aspekte des Klimaschutzes eine viel größere Rolle spielen,
sagte Weiger. Würden alle vorhandenen Bauprojekte realisiert,
sei laut Berechnungen der Bundesregierung mit einer Steigerung der
CO2-Emissionen des Verkehrs um elf Prozent zu rechnen. Werner Reh,
BUND-Verkehrsexperte: „Ramsauer muss jetzt die Weichen stellen
für eine zukunftsfähige Verkehrsplanung. Der künftige
Bedarfsplan muss den Substanzerhalt des Straßennetzes sichern
sowie das vorhandene Straßen- und Verkehrsnetz optimieren.
Um die Straßen gezielt von Lkw zu entlasten, sind vor allem
mehr Investitionen in die Güterbahn erforderlich.“
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