Liebe Freunde der Erneuerbaren Energien,
auf unsere [sfv-energiemail] von vorgestern erhielten wir einige
bedenkliche Nachfragen, ob wir denn nicht gemerkt hätten, dass
Al Gore neben den Erneuerbaren Energien auch Atomenergie und CO2-freie
fossile Kraftwerke (CCS) einbeziehen will.
Zunächst einmal herzlichen Dank für diese Hinweise. Schon
oft haben uns Hinweise aufmerksamer Freunde geholfen.
In diesem Fall war es uns bereits selber aufgefallen, dass Al Gore
auch Atomenergie und CCS in sein Programm aufgenommen hat. Obwohl
wir beide Techniken strikt ablehnen, sehen wir die Al-Gore-Variante
allerdings als unbedenklich an. Hier kann man eher lernen, wie die
Amerikaner viele Probleme ganz pragmatisch angehen, die wir Deutschen
erst in zeitraubenden bitteren Grundsatzdiskussionen klären
wollen.
Lesen wir noch einmal nach, was Al Gore wirklich will. Unter
http://www.wecansolveit.org/content/pages/287/#looklike finden wir
folgende Passage:
"The electricity system can be a mix of carbon-free baseload
and dispatchable sources like solar thermal with storage, geothermal,
wind, solar photovoltaics, biomass, existing nuclear and hydropower,
and coal and natural gas power if they are able to capture the carbon."
Soll heißen: Die Stromversorgung kann bestehen aus einem
Mix nichtfossiler Grundlast- und abrufbarer Kraftwerke wie solarthermische
Kraftwerke mit Energiepeicherung, Geothermie, Wind, Photovoltaik,
Biomasse, existierende Atom- und Wasserkraftwerke sowie Kohle- und
Erdgaskraftwerke, falls die in der Lage sind, das CO2 abzutrennen
und langfristig aufzubewahren.
Also: Nur bereits existierende Atomkraftwerke will Al Gore in seinen
Mix aufnehmen. Aber keine Neubauten! Er spart sich durch diese Entscheidung
den Streit mit den Atomkraftwerksbetreibern.
Bei den Kohle- und Erdgaskraftwerken schränkt er ein, nur
wenn sie das CO2 auch wirklich zurückhalten. Diese Forderung
leuchtet jedem ein, der sich wegen des Klimawandels Sorgen macht.
Und Al Gore wird wissen, dass er damit eine unerfüllbare Forderung
stellt, denn in den nächsten 10 Jahren wird es ganz sicher
nicht zu bezahlbaren Kosten gelingen, die Abgase aus Kohlekraftwerke
völlig von CO2 zu reinigen - geschweige denn das CO2 dann sicher
in einem Endlager unterzubringen. So erspart sich Al Gore auch den
bitteren ideologischen Streit mit den CCS-Leuten.
Er macht das ähnlich wie die Leiterin eines Laienchores,
wenn eine Sängerin
neu eintreten will, die noch nicht einmal das hohe E erreicht. Die
Chorleiterin sagt der Bewerberin nicht, "du darfst nicht mitsingen,
weil du nicht singen kannst". Sie macht es viel freundlicher,
wenn sie sagt: "Wir freuen uns über jede neue Sängerin.
Komm doch nächste Woche zum Vorsingen. Hier sind schon einmal
die Noten. Es geht mehrmals rauf bis zum hohen E."
Aber selbst, wenn die beanstandeten Mängel im Programm wirkliche
Mängel wären - uns ist kein Programm bekannt, das auch
nur annähernd so progressiv ist, wie das www.wecansolveit.org
und schon gar nicht für die USA! Man denke nur - in zehn Jahren
soll die Umstellung geschafft sein!
Ein solcher Fortschritt in der amerikanischen Energiepolitik bedeutet
Hoffnung für die ganze Welt.
Unserer Ansicht nach verdient Al Gore bei diesem Programm jede
Unterstützung. Die politischen Akteure in allen Ländern
müssen lernen, dass Entschlossenheit beim Klimaschutz sich
in aktiver Zustimmung der Bevölkerung auszahlt. Und das mindeste,
was jeder Einzelne tun kann, ist es, dieses Programm wecansolveit.org
in seinem Bekanntenkreis weiter bekannt zu machen.
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