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:: Die Freiheit zu handeln - Was jede und jeder tun kann!
Zum heutigen weltweiten Klima-Aktionstag werden sicherlich viele Menschen
um 20 Uhr für fünf Minuten das Licht ausschalten wie es
Greenpeace und andere Umweltverbände vorschlagen. Die Aktion
ist sicher gut gemeint. Aber sie allein bringt nur wenig. Symbolik
reicht nicht für effektiven Klimaschutz.
Besser als nur das Licht auszuschalten, ist es, den Verstand einzuschalten
und sich vorzunehmen, auf Dauer weniger Strom, Wärme, Benzin
und Wasser zu verbrauchen und damit auch noch Geld zu sparen. Es geht
also um einen doppelten Gewinn. Darüber nachzudenken und sich
mit Fachleuten zu beraten, lohnt allemal.
Demokratie heißt: Die Macht liegt bei uns. Wir haben die Freiheit
zu handeln. Jede und jeder kann viel tun. Einige Beispiele:
- Stand-by-Schaltungen abschaffen
- Kleinere Autos kaufen
- Weniger Auto fahren und mehr öffentliche Verkehrsmittel
nutzen. Aber auch Laufen und Radfahren ist gesund.
- Nicht schneller als 120 km/h fahren – auch ohne gesetzliche
Vorschrift
- Weniger Strom verbrauchen durch sparsamere Elektrogeräte
- Zu einem Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy oder Lichtblick
wechseln
- Bessere Wärmedämmung am Haus anbringen lassen
- Wärmepumpen installieren
- Bewusster Wasserverbrauch kann die Wasserrechnung halbieren
- Regenwassernutzung
- Wasserschutz- und Wasserspar-Technologien einbauen
- Umstieg von Öl- oder Gasheizungen auf Pellets
- Nutzung der Sonnenenergie bei Strom, Heizung und Warmwasser
- Bäume pflanzen – die UNO hatte vorgeschlagen, 2007
eine Milliarde Bäume zu pflanzen
- Weniger Fleisch konsumieren ist ein Beitrag zum Klimaschutz,
reduziert die Massentierhaltung und unterstützt die Gesundheit
Die Liste ist so lang wie die Wirkung, die wir damit erzielen. Die
Frage aller Fragen heißt: Worauf warten wir eigentlich? Wer
hindert uns an neuem Handeln – außer wir selbst? Und
wieso brauchen wir eigentlich für alles Vorschriften, warum
handeln wir nicht aufgrund eigener Einsicht?
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Über 75 % der Deutschen sind gegen Atomstrom, aber 95
% beziehen und bezahlen noch immer Atomstrom. 92 % der Deutschen sind
für Erneuerbare Energien, aber nur drei Prozent sind vom alten
Energieversorger auf einen Ökostromanbieter umgestiegen, obwohl
seit acht Jahren Werbung für den Umstieg gemacht wird. Woher
also die große Kluft zwischen Lippenbekenntnissen und Wirklichkeit?
Wir alle sind Teil des Problems. Wie werden wir Teil der Lösung?
Die „Sorge“ um die Umwelt steigt in Deutschland ständig.
Auf die Frage nach dem wichtigsten Problem nannten den Umweltschutz
14 % im Jahr 2002, 18 % im Jahr 2004 und 25 % im Jahr 2006. Nach den
dramatischen Klimaberichten der UNO 2007 wird Umweltschutz von der
Mehrheit der Deutschen jetzt als wichtigstes Problem angesehen, noch
vor der Arbeitslosigkeit.
Dennoch sind große Autos immer noch im Trend, die Zahl der Flugreisen
steigt und von 44 Millionen PKWs in Deutschland fahren gerade mal
ein Prozent mit Biosprit.
Sozialpsychologen meinen: In Umfragen sagen wir eher, was wir gerne
wären und nicht, was wir wirklich sind. Zudem geben wir gerne
anderen die „Schuld“.
Wann aber fühlen sich Menschen tatsächlich zum Handeln angestachelt?
Wir Menschen verfügen über drei angeborene psychische Grundbedürfnisse:
Wir möchten autonom handeln, uns kompetent fühlen und sozial
eingebunden sein. Wir handeln vor allem dann, wenn uns etwas Freude
macht. Dieses Bedürfnis gehört zu unserer Natur. Deshalb
ist das gute Beispiel von Eltern, Freunden, und Kollegen oft wichtiger
als staatliche Vorschriften. Umweltsensibles Verhalten wird oft durch
empathische innere Bewegung angestoßen. Faktenwissen reicht
nicht. Unser Kopf muss fühlen und empfinden lernen.
Und wichtig ist das Erlebnis, dass umweltgerechtes Verhalten unsere
Lebensqualität verbessert. Mit Opfer, Verzicht oder Askese haben
die genannten Möglichkeiten allesamt nichts zu tun, wohl aber
mit einem besseren Leben und mehr Wohlstand für alle Menschen.
Und genau dieses Ziel ist die Herausforderung unserer Zeit. Energiesparen
heißt immer auch Geld sparen. Die preiswerteste, umweltfreundlichste
und ungefährlichste Energiequelle ist die eingesparte Energie.
Die Deutsche Energieagentur hat ausgerechnet, dass die 500 Millionen
EU-Bürger jedes Jahr 60 Milliarden Euro durch intelligenteren
Umgang mit Energie einsparen könnten. Wem diese Zahl zu abstrakt
klingt: Das sind pro Haushalt zwischen 200 und 1.000 Euro im Jahr.
Beispiele:
- Eine Energiesparlampe verbraucht nur ein Fünftel der Energie
und hält 10 mal länger als eine herkömmliche Glühbirne.
- durch bessere Wärmedämmung lassen sich 30 bis 70
Prozent der Heizkosten einsparen.
- Wer eine Solarstromanlage auf sein Dach montiert, erhält
20 Jahre lang eine Einspeisevergütung, kann damit seine Anlage
finanzieren und noch etwas Geld verdienen.
- Wer die alte Ölheizung durch eine Holzpelletheizung ersetzt,
zahlt zurzeit schon 30% weniger Heizkosten.
- Natürlich ist bei all diesen Beispielen am Anfang eine
Investition nötig, aber oft schon nach wenigen Jahren haben
sich die Kosten amortisiert. Wer mittelfristig denkt, spart Geld.
Und wer langfristig denkt, spart sogar viel Geld. Energiesparen
rechnet sich. Energiesparen kann zur Wachstumsbranche werden,
die zudem Hunderttausende neue Jobs schafft.
Die Unternehmensberatung Roland Berger, überhaupt nicht ökoverdächtig,
hat errechnet, dass die Umweltbranche schon auf dem Weg ist, zur
Leitbranche der deutschen Wirtschaft insgesamt zu werden und bald
mehr Menschen zu beschäftigen als die Autobranche, die Chemie
und der Maschinenbau zusammen: nämlich über drei Millionen.
Wer erneuerbare Energien fördert – auch über Aktien
– verhindert auch den Neubau alter Kohlekraftwerke. Wer
nach sparsamen Autos fragt, hilft mit, dass weniger alte Spritfresser
gebaut werden.
Es liegt auch in unserer Macht, andere Staaten von der Wichtigkeit
des Klimaschutzes zu überzeugen. Der EU-Umweltkommissar Dimas
hat diese schlichte Erkenntnis so zusammengefasst: „Wenn
Deutschland sich bewegt, wird Europa folgen. Und wenn Europa sich
bewegt, folgen auch die anderen Staaten der Welt.“ In Bali
schauen viele Länder auf das, was die Bundesregierung in
dieser Woche an Energiesparmaßnahmen bis 2020 beschlossen
hat.
Der Ausspruch „Ich kann ja doch nichts ändern“
ist oft nichts als eine Ausrede für eigenes Nichtstun. Der
Weltklimarat und die derzeitige Konferenz auf Bali plädieren
für eine andere Energiepolitik. Aber diese kann nur von unten
realisiert werden. Wir wissen zwar, was wir tun. Aber wir tun
nicht, was wir wissen.
Die knappste Ressource, die wir noch haben, ist nicht Öl
oder Kohle, sondern die Zeit, um Öl oder Kohle durch Erneuerbare
Energien zu ersetzen. Auch Ökonomen haben inzwischen errechnet,
dass Klimaschutz für uns alle weit preiswerter ist als die
derzeitige Klimazerstörung. Im 21. Jahrhundert könnte
die Ökologie die intelligentere Ökonomie werden. Wir
haben mit den modernen Umwelttechnologien die Chance, ein ökologisches
Wirtschaftswunder zu organisieren. Ausgerechnet der zweitgrößte
Ölkonzern der Welt zeigt in seinen Anzeigen den Weg in eine
gute Zukunft: „Weniger CO2, mehr IQ.“
Quelle:
Franz Alt 2007
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