Mitteilung vom 19. März 2007
Was ist natürlich am Naturbad?
Sind Sie dafür, dass unser bisheriges Freibad erneuert wird und nicht durch ein "Naturbad" (Kleinbadeteich) ersetzt wird? – Ja!
 

Sind Sie dafür, dass unser bisheriges Freibad erneuert wird und nicht durch ein "Naturbad" (Kleinbadeteich) ersetzt wird? – Ja!

Denn allen Anpreisungen des Natur-Erlebnisbads zum Trotz steht uns hier wohl im Vergleich mit dem bisherigen Freibad ein Abstieg bevor.

Es gibt heute beim gegenwärtigen Stand der Technik kein modernes Naturbad, das einen ununterbrochenen Betrieb in jeder Sommersaison garantieren kann, vielmehr ist eine mehrtägige Sperrung möglich. Wir brauchen aber ein Bad, das den Bedürfnissen der Familie (alle Generationen) entspricht. Darin liegt die Attraktivität unseres Bades.

Ich zitiere hier den Hygieniker Prof. Gansloser, Hannover:
"Wie kommt es, dass Gesundheitsämter gegenüber Bauherren von öffentlichen Badebecken bezüglich der Wasserqualität hohe Anforderungen stellen, gleichzeitig aber den Betrieb von künstlichen Naturseen zulassen, obwohl auch für den Nichthygieniker erkennbar die Wasserqualität eine erheblich geringere ist?"

Langfristig könnten in jeder Hinsicht auch an Naturbäder ähnliche Anforderungen gestellt werden, wie sie heute an Sportbäder gestellt sind.

Das Naturschwimmbad wird auch nicht beheizt sein. Viele Freilassinger Bürger werden sich wohl an die Zeit des Naturbades erinnern und dass die Benutzung auf wenige heiße Tage im Jahr einschränkt war. Es wurde 1971 fürwahr nicht grundlos ein beheiztes Freibad gebaut.

Weiterhin wird das in Naturschwimmbädern trübe Wasser ein Risiko insbesondere für Kinder darstellen. Die Gefahr, dass untergegangene Kinder in dem trüben Wasser zu spät entdeckt werden und dadurch entweder gar nicht oder nur mit bleibenden Hirnschäden überleben werden, dürfte erheblich höher sein als im klaren Wasser unseres Freilassinger Freibades.

Was ist natürlich am Naturbad? …

fragen wir uns, denn die Folie über den alten Becken, die Pumpen und Filter bis hin zu den Edelstahlleitern sind künstlich; Wasservögel müssen ganzjährig bejagt werden, Fische sind verboten; insgesamt werden zusätzlich 3.400 m2 Fläche zubetoniert und mit Folie ausgelegt; bei jährlichen Reinigungsarbeiten trocknet schon mal Froschlaich aus oder eine Flusskrebspopulation wird ausgerottet (unabsichtlich im Naturbad in Bischofswiesen geschehen).
Für Naturfreunde gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten und Angebote: den Abtsdorfer See, den Baggersee, den See in der Au, die Saalachseen, Waginger See u.s.w.

Ist ein Naturbad billiger als ein konventionelles Bad?
Die Gesamtkosten für das Naturbad, so wie die Stadt plant beträgt 3,3 Mill. €, damit kann man auch unser Freibad sanieren!
Weder bei den Investitionskosten noch bei den Betriebskosten wäre ein Naturbad billiger. Hier läge der einzige Unterschied bei den Heizkosten. Den gesamten Bedarf an Wärmeenergie (aus nachwachsenden Rohstoffen) hat uns die Firma Plenk kostenlos angeboten; freilich gibt es auch weitere kostengünstige Lösungen wie Solarabsorber: so entfallen diese Betriebsausgaben bzw. werden minimiert.

Ist das Wasser in einem Naturbad sauber?
Die Klärung des Wassers erfolgt bei Naturbädern mittels Filter die das Wasser nach mindestens 5 Stunden wieder bereitstellen. Diese Filteranlagen verkeimen immer wieder und werden dann selbst zum Problem (Pseudomonas aeruginosa). Die Grenzwerte der Ausscheidungsbakterien wie Streptococcus faecalis die im Badewasser zugelassen sind liegen bei 100 Keimen pro 100 ml, bei Pseudomonas aeruginosa bei 10 Keimen pro 100 ml (häufig um das Vielfache überschritten). Es bleibt also ein Infektionsrisiko bestehen.

„Es muss ein deutlich sichtbarer Warnhinweis an der Badestelle angebracht werden, dass aufgrund der fehlenden Desinfektion des Badewassers ein erhöhtes Risiko für die menschliche Gesundheit durch Krankheitserreger nicht ausgeschlossen werden kann. (…)

Es sollte außerdem darauf hingewiesen werden, dass sich das Risiko mit Zunahme des Badebetriebs erhöht“ (Umweltbundesamt, Bundesgesundheitsblatt 6.2003, S. 527).

Neben dem bakteriologischen Gesichtspunkt gibt es aber auch einen ästhetischen: Das Badevergnügen in einem "Naturbad" mit Schnecken, Rollegel, Wasserwanzen und Algen ist möglicherweise nicht jedermanns Sache. Manchmal ist die Haut nach dem Bad grünlich mit Algen überzogen (Naturbad Bischofswiesen).

Wann muss ein Naturbad geschlossen werden?
Jedes Bad wird durch die Betriebsleitung und das Gesundheitsamt überwacht. Die Entnahme der Wasserproben sollten bei regem Badebetrieb stattfinden- in der Praxis findet sie aber vormittags statt. Das Wasser wird nicht auf Krankheitskeime untersucht. Das Bad muss geschlossen werden,

  1. wenn die Grenzwerte der Indikatorkeime überschritten werden,
  2. wenn die Sichttiefe unzureichend ist (Algen, Schwebstoffe): Sicherheitsrisiko, und
  3. wenn die Wassertemperatur mehrere Tage über 23°C liegt (Infektionsrisiko).

Welche Wassertemperaturen sind im Freibad im Vergleich mit dem Naturbad zu erwarten?

Ein beheiztes Freibad hat konstant ca. 24°C, das Kinderbecken ca. 28°C. Die gesetzlich vorgegebene Grenze beim Naturbad liegt bei 23°C: Werden von den Nutzern Temperaturen gewünscht, die über 23°C liegen, ist ein Naturbad fehl am Platz!
Hier die Anzahl der Tage im Jahr 2006 mit Wasser- und Lufttemperaturen ab 21°C: im Naturbad Bischofswiesen: 48 Tage, im Naturbad Trossingen: 12 Tage.

Wie berechnet sich die Nennbesucherzahl?
Den Rechenweg finden Sie bei Wikipedia im Internet unter „Naturbad“. Hier die Daten für Freilassing: Wasservolumen im Nutzungsbereich: ca. 5400 m3, Fläche Aufbereitungsbereich 1800 m2, ergibt 900 bis 1300 Tagesgäste.

Kann man im Naturbad auch Schwimmsport betreiben?
Die bisherige Größe des Freibadbeckens bleibt zwar bestehen. Es fehlen aber die Wendeplatten, die Startblöcke und die geeignete konstante Temperatur von 24°C bis 25°C, damit es den Kindern und Jugendlichen beim Trainieren nicht zu kalt wird. Die Sicht auf die Bahnen wird behindert durch Schwebepartikel und Algen. Also: Nein.

Welche Attraktionen sind für Kinder im Nichtschwimmerbecken vorgesehen?
Ein bewegliches hölzernes Piratenschiff, das die Aufsichtspflicht der Eltern herausfordert. Besonders attraktiv wird die glitschige Folie im Becken sein (Biofilmbildung). Sicherer wären z.B. ein Erlebnisspielplatz und eine Kletterwand, die für Kinder bestens geeigneten wären, sich auch außerhalb der Wasserfläche zu beschäftigen und auszutoben.


 
Zusammengestellt von Elke Michel-Blagrave