Sind Sie dafür, dass unser bisheriges Freibad erneuert wird
und nicht durch ein "Naturbad" (Kleinbadeteich) ersetzt
wird? – Ja!
Denn allen Anpreisungen des Natur-Erlebnisbads zum Trotz steht
uns hier wohl im Vergleich mit dem bisherigen Freibad ein Abstieg
bevor.
Es gibt heute beim gegenwärtigen Stand der Technik kein modernes
Naturbad, das einen ununterbrochenen Betrieb in jeder Sommersaison
garantieren kann, vielmehr ist eine mehrtägige Sperrung möglich.
Wir brauchen aber ein Bad, das den Bedürfnissen der Familie
(alle Generationen) entspricht. Darin liegt die Attraktivität
unseres Bades.
Ich zitiere hier den Hygieniker Prof. Gansloser, Hannover:
"Wie kommt es, dass Gesundheitsämter gegenüber Bauherren
von öffentlichen Badebecken bezüglich der Wasserqualität
hohe Anforderungen stellen, gleichzeitig aber den Betrieb von künstlichen
Naturseen zulassen, obwohl auch für den Nichthygieniker erkennbar
die Wasserqualität eine erheblich geringere ist?"
Langfristig könnten in jeder Hinsicht auch an Naturbäder
ähnliche Anforderungen gestellt werden, wie sie heute an Sportbäder
gestellt sind.
Das Naturschwimmbad wird auch nicht beheizt sein. Viele Freilassinger
Bürger werden sich wohl an die Zeit des Naturbades erinnern
und dass die Benutzung auf wenige heiße Tage im Jahr einschränkt
war. Es wurde 1971 fürwahr nicht grundlos ein beheiztes Freibad
gebaut.
Weiterhin wird das in Naturschwimmbädern trübe Wasser
ein Risiko insbesondere für Kinder darstellen. Die Gefahr,
dass untergegangene Kinder in dem trüben Wasser zu spät
entdeckt werden und dadurch entweder gar nicht oder nur mit bleibenden
Hirnschäden überleben werden, dürfte erheblich höher
sein als im klaren Wasser unseres Freilassinger Freibades.
Was ist natürlich am Naturbad? …
fragen wir uns, denn die Folie über den alten Becken, die
Pumpen und Filter bis hin zu den Edelstahlleitern sind künstlich;
Wasservögel müssen ganzjährig bejagt werden, Fische
sind verboten; insgesamt werden zusätzlich 3.400 m2 Fläche
zubetoniert und mit Folie ausgelegt; bei jährlichen Reinigungsarbeiten
trocknet schon mal Froschlaich aus oder eine Flusskrebspopulation
wird ausgerottet (unabsichtlich im Naturbad in Bischofswiesen geschehen).
Für Naturfreunde gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten
und Angebote: den Abtsdorfer See, den Baggersee, den See in der
Au, die Saalachseen, Waginger See u.s.w.
Ist ein Naturbad billiger als ein konventionelles Bad?
Die Gesamtkosten für das Naturbad, so wie die Stadt plant beträgt
3,3 Mill. €, damit kann man auch unser Freibad sanieren!
Weder bei den Investitionskosten noch bei den Betriebskosten wäre
ein Naturbad billiger. Hier läge der einzige Unterschied bei
den Heizkosten. Den gesamten Bedarf an Wärmeenergie (aus nachwachsenden
Rohstoffen) hat uns die Firma Plenk kostenlos angeboten; freilich
gibt es auch weitere kostengünstige Lösungen wie Solarabsorber:
so entfallen diese Betriebsausgaben bzw. werden minimiert.
Ist das Wasser in einem Naturbad sauber?
Die Klärung des Wassers erfolgt bei Naturbädern mittels
Filter die das Wasser nach mindestens 5 Stunden wieder bereitstellen.
Diese Filteranlagen verkeimen immer wieder und werden dann selbst
zum Problem (Pseudomonas aeruginosa). Die Grenzwerte der Ausscheidungsbakterien
wie Streptococcus faecalis die im Badewasser zugelassen sind liegen
bei 100 Keimen pro 100 ml, bei Pseudomonas aeruginosa bei 10 Keimen
pro 100 ml (häufig um das Vielfache überschritten). Es
bleibt also ein Infektionsrisiko bestehen.
„Es muss ein deutlich sichtbarer Warnhinweis an der Badestelle
angebracht werden, dass aufgrund der fehlenden Desinfektion des
Badewassers ein erhöhtes Risiko für die menschliche Gesundheit
durch Krankheitserreger nicht ausgeschlossen werden kann. (…)
Es sollte außerdem darauf hingewiesen werden, dass sich das
Risiko mit Zunahme des Badebetriebs erhöht“ (Umweltbundesamt,
Bundesgesundheitsblatt 6.2003, S. 527).
Neben dem bakteriologischen Gesichtspunkt gibt es aber auch einen
ästhetischen: Das Badevergnügen in einem "Naturbad"
mit Schnecken, Rollegel, Wasserwanzen und Algen ist möglicherweise
nicht jedermanns Sache. Manchmal ist die Haut nach dem Bad grünlich
mit Algen überzogen (Naturbad Bischofswiesen).
Wann muss ein Naturbad geschlossen werden?
Jedes Bad wird durch die Betriebsleitung und das Gesundheitsamt
überwacht. Die Entnahme der Wasserproben sollten bei regem
Badebetrieb stattfinden- in der Praxis findet sie aber vormittags
statt. Das Wasser wird nicht auf Krankheitskeime untersucht. Das
Bad muss geschlossen werden,
- wenn die Grenzwerte der Indikatorkeime überschritten
werden,
- wenn die Sichttiefe unzureichend ist (Algen, Schwebstoffe):
Sicherheitsrisiko, und
- wenn die Wassertemperatur mehrere Tage über 23°C
liegt (Infektionsrisiko).
Welche Wassertemperaturen sind im Freibad im Vergleich
mit dem Naturbad zu erwarten?
Ein beheiztes Freibad hat konstant ca. 24°C, das Kinderbecken
ca. 28°C. Die gesetzlich vorgegebene Grenze beim Naturbad liegt
bei 23°C: Werden von den Nutzern Temperaturen gewünscht,
die über 23°C liegen, ist ein Naturbad fehl am Platz!
Hier die Anzahl der Tage im Jahr 2006 mit Wasser- und Lufttemperaturen
ab 21°C: im Naturbad Bischofswiesen: 48 Tage, im Naturbad Trossingen:
12 Tage.
Wie berechnet sich die Nennbesucherzahl?
Den Rechenweg finden Sie bei Wikipedia im Internet unter „Naturbad“.
Hier die Daten für Freilassing: Wasservolumen im Nutzungsbereich:
ca. 5400 m3, Fläche Aufbereitungsbereich 1800 m2, ergibt 900
bis 1300 Tagesgäste.
Kann man im Naturbad auch Schwimmsport betreiben?
Die bisherige Größe des Freibadbeckens bleibt zwar bestehen.
Es fehlen aber die Wendeplatten, die Startblöcke und die geeignete
konstante Temperatur von 24°C bis 25°C, damit es den Kindern
und Jugendlichen beim Trainieren nicht zu kalt wird. Die Sicht auf
die Bahnen wird behindert durch Schwebepartikel und Algen. Also:
Nein.
Welche Attraktionen sind für Kinder im Nichtschwimmerbecken
vorgesehen?
Ein bewegliches hölzernes Piratenschiff, das die Aufsichtspflicht
der Eltern herausfordert. Besonders attraktiv wird die glitschige
Folie im Becken sein (Biofilmbildung). Sicherer wären z.B.
ein Erlebnisspielplatz und eine Kletterwand, die für Kinder
bestens geeigneten wären, sich auch außerhalb der Wasserfläche
zu beschäftigen und auszutoben.
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